Meine Menschen des Jahres

Aktualisiert: 5. Jan.

Jedes Jahr mache ich zwischen Weihnachten und Neujahr einen Jahresrückblick. So schnell fertig wie dieses Jahr war ich noch nie. Es war ja "corona-bedingt" fast nichts los. Es war dieses Mal sicherlich nicht nur für mich ein außergewöhnliches Jahr.


Seit vielen Jahren führe ich den Jahreskalender "Augenblicke" von Bianka Bleier. Ich mag ihn deshalb, weil er ein sehr übersichtliches monatliches Kalendarium hat. Vor allem, als ich noch mehrere Ehrenämter hatte, reihten sich unzählige Abendtermine, Veranstaltungen, Treffen, Volleyballspiele, Arztbesuche, Geburtstagsfeiern, Feste usw. aneinander. Manchmal war der Platz dann auch hier schon fast zu wenig. Mein Terminkalender war daher eher bedenklich übervoll.



Viele Absagen


Doch dieses Jahr war eben alles anders. Viele Termine, die ich bereits eingetragen hatte, waren von mir wieder gestrichen worden. Als erstes flog Mitte März das Endspiel in unserer Volleyball-Liga aus dem Kalender. Ich sagte es schweren Herzens ab - obwohl wir damals offiziell eigentlich noch spielen hätten dürfen. Gleich darauf der 50. Geburtstag einer meiner besten Freundinnen, zu dem ich schon eine kleine, spritzige Rede in Petto hatte...

Ja, die Liste mit den Streichungen und den Emotionen dazu ließe sich noch ewig fortsetzen.


Der Volleyball stand oftmals still in diesem Coronajahr. Die Volleyballabende und Turniere habe ich dieses Jahr wohl am meisten vermisst.

Den einzelnen Erlebnissen nachspüren


Wie immer gehe ich das Jahr an Hand meines Terminkalenders beinahe Tag für Tag durch. Mir sind dabei vor allem meine Gefühle zu den jeweiligen Ereignissen ganz wichtig. Ich möchte noch einmal nachklingen lassen, was ich erlebt habe. In der Regel sind es angenehme Gefühle, die dabei in mir hochsteigen. Gerne schwelge ich noch einmal in diesen Erinnerungen.


Ziel ist es nämlich für mich, das alte Jahr wieder "loszulassen". Bewusst Frieden zu schließen mit all dem, was passiert ist. Auch mit den Ereignissen, die nicht so erfreulich waren. Ich erspüre: Bin ich damit im Reinen oder muss ich noch etwas abklären? Vielleicht auch etwas in Ordnung bringen? Aktiv in der Praxis oder nur in meinem Kopf. Manches muss ich allerdings stehen lassen. Es ist nicht immer alles rückgängig zu machen. Was passiert ist, ist passiert. Gerade dieses Jahr macht mich ein Ereignis besonders traurig. Auch wenn ich für dieses unschöne Geschehen nicht verantwortlich bin, so habe ich zumindest den Stein ins Rollen gebracht. Tagelang habe ich dann unter den Konsequenzen gelitten. Musste zum wiederholten Male feststellen: Leben läuft nicht immer rund und gerecht. Und man kann nicht immer alles selbst beeinflussen, wie es läuft. So viele Faktoren und vor allem andere Menschen spielen in Situationen hinein. Und man muss es manchmal einfach geschehen lassen. Annehmen, dass es eben so ist, wie es ist. Das ist für mich manchmal schon sehr hart. Aber ich sollte mich auf keinen Fall für alle Reaktionen und Entscheidungen anderer Menschen verantwortlich fühlen.



Jahresziele festlegen


Und genau in diese Situationen spüre ich nochmal hinein: In die schönen und die nicht so schönen. Ich schaue, ob ich daraus etwas für die Zukunft lernen kann. Denn das kommt dann in der Regel im zweiten Schritt meist ein paar Tage später: Ich nehme mir meinen neuen Kalender in die Hand. Übertrage Geburtstage, Feste etc. für das Folgejahr. Dann überlege ich mir meine neuen Jahresziele. Und schau natürlich nach: Habe ich die Ziele, die ich anfangs 2020 notiert habe, erreicht?



Meine Ziele und Prioritätenliste von 2020. Wenn ich mir für die Umsetzung eine Note geben müsste, würde ich sagen: Zufriedenstellend👌. Ich will ja gar nicht perfekt sein 😊.


Das Corona-Jahr


Dieses Jahr hat vermutlich viele Menschen ins Wanken gebracht. Das Coronavirus hat sogar die ganze Welt einschneidend verändert. Wie weit reichend kann man momentan noch nicht vorhersagen. Unendlich viele Berichte gibt es bereits darüber. So manchem hat das Virus psychische, physische und/oder finanzielle Probleme gebracht.


Für mich selbst ging es eher glimpflich ab. So wie in meinem Auszeitjahr während meiner Krankheit wusste ich auch die Vorteile von weniger Terminen eher zu schätzen. Die Krankheit und auch mein Alter haben mich gelehrt: So voll muss mein Terminkalender gar nicht mehr werden. Vielleicht ist weniger mehr und es bleibt mehr Zeit, um Erlebtes nachklingen zu lassen und zu verarbeiten.


Viele Veranstaltungen wie Waldfest, Volksfest, Familien- oder Weihnachtsfeiern fanden dieses Jahr nicht statt. Aber ich habe sie ja schon öfter erlebt und kann gerne mal darauf verzichten. Sicherlich nicht auf Dauer, denn bieten gerade sie die Gelegenheit Freunde und Verwandte zu treffen. Ermöglichen Begegnungen, die mir immer wertvoller werden.


Waldfest, Konzerte, Feiern ... irgendwann geht alles wieder.



Erinnerungen


Denn die Frage ist tatsächlich: Was bleibt denn eigentlich im Gedächtnis? Vor allem, wenn sich Jahr um Jahr aneinanderreiht. Oft sind es sehr markante oder einschneidende Erlebnisse, durch die man sich an ein Jahr besonders erinnert. So weiß ich noch gut, dass unsere Tochter Anna im Jahr 2008 Abitur gemacht hat und Michael kurz darauf seine Freistellungsfeier als Zimmerer hatte. Sofort sind auch alle Geschehnisse um diese Termine herum bei mir abrufbar. Auch Urlaube sind für mich Ankerpunkte: Die Zeiten, als wir in Neuseeland, Indien, Sri Lanka, England, Italien und Paris waren.


Doch was war denn dann dieses Jahr - außer Corona - was für mich im Bewusstsein bleiben wird? Soweit kann ich schon mal sagen: Urlaub war es dieses Jahr definitiv nicht.


Sehr wichtig war für mich zum einen, die Wahl meines Freundes Helmut zum Bürgermeister unserer Stadt und die neue Besetzung des Beilngrieser Stadtrats. Damit verbunden die Möglichkeit zusammen mit meiner Freundin Kirstin als Integrationsbeauftragte dort mitwirken zu können. Ja, dieser Job entspricht total meinen Vorlieben. Dafür brenne ich.


Kirstin und ich: Ein Dreamteam!

Während meiner Krankheitsphase hatte ich ja viel Zeit um darüber nachzudenken, was mir wirklich wertvoll ist: Für mich ist es Begegnung. So waren meine Jahreshighlights auch sehr eng mit Menschen verbunden. Spannenderweise mit Menschen aus der ganzen Welt.


Im Zuge der Tätigkeit als Integrationsbeauftragte leitete ich u.a. ein Fotoprojekt an. Ziel ist es dabei, Menschen mit Migrationshintergrund in Beilngries zu fotografieren und ihnen letztendlich Wertschätzung zu zeigen. Es gibt nämlich sage und schreibe über 80 verschiedene Nationalitäten in unserem 6000 Menschen zählenden kleinen Ort. Es ist so interessant diese unterschiedlichsten Menschen während eines Foto-Walks durch Beilngries ein bisschen kennenzulernen. Corona hat uns aktuell zum Stop gezwungen. Aber eine Künstlerpause tut auch gut. Wenn das Projekt auch viel Spaß macht, ist es doch mit hohem Aufwand verbunden. Geplant ist irgendwann eine Fotoausstellung. Näheres dazu gibt es später mal an anderer Stelle.



Bilder während eines Fotowalks durch Beilngries, aufgenommen von meinem Freund Mevlüt Altuntas.



Ich halte vor allem die "Making of" Bilder fest. Das bedeutet, ich fotografiere wie Mev Familien oder Einzelpersonen aus den verschiedensten Ländern vor der Kulisse in Beilngries aufnimmt.

Novita aus Indonesien und Anh aus Vietnam beeindrucken uns durch ihre natürliche Ausstrahlung und ihre Freude am Modeln.


Unser Weg führt an der alten Stadtmauer entlang. Wir haben total viel Spaß dabei. Auch Anna ist mit von der Partie.


Anna ist eigentlich mit uns unterwegs, um uns "bei der Arbeit" zu fotografieren. Doch irgendwann steht auch sie mit einem strahlenden Lächeln vor der Linse unseres Fotografen Mevlüt.



Menschen des Jahres 2020


Während ich so über diese Projekte nachsinne, merke ich wie sehr mir gerade 2 Personen in diesem Zusammenhang sehr ans Herz gewachsen sind:


Dies ist zum einen mein Freund Mevlüt Altuntas. Ich kannte ihn bereits als souveränen Leiter und vor allem hervorragenden Fotografen aus unserer Fotogruppe. Ihn fragte ich daher als erstes, ob er bei dem interkulturellen Fotoprojekt mitmachen wolle. Er sagte sofort zu. Beim Erarbeiten des umfangreichen Konzepts stellte sich immer mehr heraus, wie sehr unsere Ansichten über Integration übereinstimmten. Mehr als begeistert war ich dann auch von seinen fotografischen Ergebnissen. Zudem war er der ruhende Pol, wenn ich mich durch irgendwelche unvorhersehbaren Umstände mal wieder stressen ließ. Ich merkte, wieviel ich von Mev lernen konnte. Er tut mir einfach gut.


Maestro bei der Arbeit.

Genau so eine große Stütze wurde mir Kirstin. Auch wir kannten uns eigentlich schon länger. Es war ein Glücksgriff, dass sie aber nun mit mir zusammen die Integrationsarbeit im Stadtrat übernommen hatte. Gemeinsam an einem Strang zu ziehen ist natürlich viel effektiver. Zudem verleiht eine Absprache mehr Sicherheit bei Entscheidungen. So haben wir in zahlreichen Telefonaten uns immer wieder gegenseitig gebremst, wenn wir mal wieder in unserem spontanen Überschwang zu helfen, fast zu viel des Guten machen wollten. Wie auch mit Mev pflegen wir dabei einen sehr humorvollen, wertschätzenden Umgangston. Was für ein Geschenk, wenn man offen, ehrlich und dennoch respektvoll Kritik anbringen darf. Das ist für mich ein Zeichen von wahrer Freundschaft.



Natürlich und lebensfroh. Kirstin aufgenommen von Mev während eines unserer Walks durch den Stadtpark.

Diese beiden sind daher eindeutig für mich die größte Bereicherung in diesem Jahr: Meine Menschen 2020.


Die Idee beim Jahresrückblick den Blick mehr auf die Menschen als auf Ereignisse zu lenken, finde ich für mich stimmig. Ja, Begegnungen, Beziehungen zu Menschen werden mir immer bedeutsamer. Klar, waren sie es sicherlich schon immer. So habe ich ja bereits seit meiner Kindheit viele Freunde, die mir sehr wichtig sind. Großartige Persönlichkeiten, die mir stetig oder auch nur während bestimmter Lebensabschnitte sehr nahe standen. Bewusst "meine Menschen des Jahres" auszuwählen finde ich aber insofern gut, da es mir einfach noch einmal klarer vor Augen führt, mit welch klasse Menschen ich mich eben gerade in diesem Jahr umgeben durfte.


Schöne Begegnungen waren also wohl trotz Corona möglich. Und ich freue mich schon auf ein weiteres Jahr unkomplizierter, frohmachender Zusammenarbeit mit Mev und Kirstin sowie natürlich auch auf meine vielen anderen Wegbegleiter, die mein Leben seit vielen Jahren bereichern und lebenswert machen.


Die ersten Bilder hat Mevlüt schon mal in Originalgröße ausdrucken lassen. Meine Freude darüber ist unverkennbar.






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