Ups - da sind ja zwei Striche!

Aktualisiert: 20. Juli

Corona: Ein Wort, das seinen Schrecken etwas verloren hat. Zumindest für mich. Dabei habe ich es gerade. Bin sozusagen positiv. Noch. Mal schauen wie lange noch.


Angesteckt


Jeden Dienstag treffen sich ein paar aus unserem Helferkreis mit einigen Ukrainer/innen im Bürgerbegegnungszentrum in Beilngries. Wir haben im März dieses Jahres den Treff eingerichtet, um die Menschen, die aus dem Kriegsgebiet fliehen mussten, kennen zu lernen. Wir wollen erfahren, wo wir sie unterstützen können. Vor allem aber wollen wir ihnen die Möglichkeit bieten, sich untereinander zu vernetzen.


Den Dienstagnachmittag haben wir deshalb gewählt, weil zur gleichen Zeit auf dem selben Areal auch die Tafel geöffnet hat. Vor allem die Leute, die auf den Dörfern wohnen, können somit beides einfacher verbinden.


Die Treffen werden sehr gut angenommen. Die ersten Male hatten wir jeweils Programmpunkte. Es kamen verschiedene Ansprechpartner/innen aus dem Rathaus oder dem Landratsamt, ein russisch sprechender Arzt, Mitarbeiter/innen der Volkshochschule wegen Sprachkursen .... Das größte Handicap bei unseren Treffen ist dabei tatsächlich die Verständigung - trotz der doch recht praktischen Übersetzungs-App auf dem Handy. Diese gab es bei meinen ersten Begegnungen mit Geflüchteten vor 7 Jahren noch nicht. Nun kann man ins Handy sogar diktieren und das Handy übersetzt in die gewünschte Sprache. Die wenigsten Ukrainer/innen sprechen Deutsch oder Englisch. Daher ist immer eine Dolmetscherin anwesend. Sie stammt selbst aus der Ukraine und lebt bereits seit vielen Jahren in Deutschland. Und genau sie schreibt mir 2 Tage nach dem Treffen: "Teste dich lieber einmal - stell dir vor: Ich bin Corona-positiv."


Gut, dass sie das geschrieben hat. Wer weiß, wie viele ich sonst noch angesteckt hätte. So mache ich am Freitagmorgen - noch ganz ohne Symptome - einen Test. Und siehe da: Ein zweiter Strich erscheint. Anfangs noch ganz zart. Aber schließlich eindeutig. Ich rufe in der Arbeit an, dass ich nicht kommen kann, mache bei meinem Hausarzt noch einen PCR-Test und begebe mich in eine für mich eigentlich ganz angenehme Quarantäne: Ich habe zwei Tage starke Kopf- und Gliederschmerzen. Diese bekomme ich aber ganz gut mit Paracetamol und viel Schlaf in den Griff. Danach geht es mir bis auf ein bisschen Husten, etwas laufender Nase und nervigen Magen-Darm-Problemen eigentlich wieder ganz gut. Ich nutze diese ungeplante Auszeit, um unser Haus zu putzen und dieses - wie auch mich selbst - wieder neu zu sortieren ... und eben mal wieder einen Blogbeitrag zu schreiben. Dazu finde ich während meines Alltags sonst einfach keinen Freiraum.



Sabbatical von Anna


Keine Zeit hatte ich auch gefunden, um unsere Tochter Anna während ihres halbjährigen Sabbaticals in Mittel- und Südamerika zu besuchen. Immer wieder habe ich es verschoben. Meine letzte Gelegenheit wäre dann gewesen, sie am Ende in Peru zu besuchen und mit ihr dann heimzufliegen. Ewig habe ich abgewogen: Soweit fliegen für zweieinhalb Wochen - ist das ökologisch vertretbar? Habe ich genügend Kraft, die Reise zu organisieren, sie vor- und nachzubereiten? Sind meine Aufgabengebiete hier im Moment nicht wichtiger? Die Geflüchteten, meine Arbeit, meine Familie. Nun bin ich genau zu der Zeit, während ich auch in Peru sein könnte, krank im Bett.


... und gerade während ich diesen trüben Gedanken nachhänge, kommen bezaubernde Bilder von der anderen Seite der Welt zu mir aufs Handy geflattert. Fasziniert und fast noch trauriger bewundere ich diese wunderbare Landschaft. Fernweh ergreift mich. Ich freue mich allerdings für Anna. So wunderschöne Erlebnisse werden immer in ihrem Gedächtnis bleiben.


Anna in der uralten Inkastadt Machu Picchu in Peru.



Beeindruckende Bilder aus Bolivien!


Ja, so möchte ich abheben - wie dieser Flamingo!

Dazu fällt mir spontan einer meiner Lieblingssongs vom Grafen der Gruppe "Unheilig" ein.

"Frei will ich sein

Weit will ich fliegen

Mein Leben ist die Freiheit

Ich will die Welt erleben"



Carpe diem


Anna und ich haben schon viel gemeinsam erlebt: Neuseeland, Indien, Sri Lanka, ... letztes Jahr waren wir zusammen mit meiner Schwester im Juli in der Toskana. Ja, diese Gelegenheit zum gemeinsamen Urlaub habe ich dieses Mal wohl verpasst. Dabei hat mich Anna mehrmals ermutigt zu kommen.


Aber was hilft es jetzt zu jammern. Leben lebt man immer nur vorwärts. Zumindest kann ich aus dieser Erfahrung lernen. Ich sollte meine Bedürfnisse ernster nehmen, die berühmte Achtsamkeit auch bei mir selbst wieder mehr praktizieren, wichtige Entscheidungen klarer durchdenken. Denn eigentlich ist mir bewusst: Nutze die Zeit, so lange sie dir bleibt. Irgendwann kann es zu spät sein.


Und wie zur Bestätigung erhalte ich noch während meiner Quarantäne die Nachricht, dass eine 41-jährige Frau aus unserer Stadt eben verstorben ist. Einen Tag vor ihrem Tod hatte ich ihren Sohn angerufen. Er hat auf meine Frage, wann denn seine Mama wieder nach Hause komme, geantwortet: "Wahrscheinlich nie mehr."

Auch sie hatte Brustkrebs. Sie hatte diesen sogar erst viel später bekommen als ich. Leider hat bei ihr die Chemo nicht gegriffen. Sie hinterlässt einen Mann und zwei Kinder im Grundschulalter.


Die Natur ist grausam. Mich zieht das herunter. Das könnte auch ich sein. Zudem belasten mich der Krieg, die Klimakrise, die damit verbundenen Umweltkatastrophen, die hungernden Kinder in der Welt, mein Altern und die zunehmenden Gebrechlichkeiten ...


Dabei könnte es mir persönlich eigentlich gut gehen. Für Außenstehende vermutlich sogar besser, als zu der Zeit, als ich noch aktiv gegen den Krebs zu kämpfen hatte. Nun fühle ich mich aber eher hilflos angesichts dieser vielen negativen Entwicklungen. Ich weiß, ich muss aktiv gegen diese negative Gedankenspirale angehen. Meine Lebensfreude wiederfinden. Denn die dunklen Wolken verziehen sich leider nicht unbedingt wieder von alleine. Ich muss den Schalter in meinem Kopf wieder umlegen. Meine innere Haltung auch zu dieser problematischeren Seiten des Lebens ändern. Wieder positiver auf mein, unser aller Leben blicken. Wenn es nur so einfach wäre.


Zumindest weiß ich aus Erfahrung, die Zeiten werden sich wieder ändern. Die Sonnenstrahlen werden die Dunkelheit wieder durchdringen und mein Leben wird auch wieder wärmer und lebenswerter. Und so freue ich mich jetzt erst einmal darauf, dass unser Madl hoffentlich gesund wieder nach Hause kommt ... und dass der Corona-Test bald wieder nur einen Streifen zeigt.


Nach 9 Tagen bin ich schließlich negativ und kann, wenn auch am Anfang mit Maske, wieder in die Arbeit. Auf zum Klostermarkt am Wochenende!















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