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5 Jahre krebsfrei

Aktualisiert: 17. Feb.


Am 18. Dezember 2018 hatte ich meine Brust-OP, bei der ich mich von meinem Adonis (Name des Tumors) auf hoffentlich nimmer Wiedersehen getrennt habe. Fast hätte ich das Jubiläum vergessen, wenn nicht Mitstreiterinnen aus dem Forum krebskranker Frauen dort von ihren 5 Jahren Krebsfreiheit berichtet hätten. Eigentlich ein gutes Zeichen: Den Krebs einfach vergessen.


Doch was erinnert mich heute noch an meine lebensbedrohliche Krankheit?


In erster Linie wohl die tägliche Tamoxifen-Tablette. Inzwischen brauche ich die Erinnerung per Handy nicht mehr. Vor dem Schlafengehen - meist nach 0 Uhr - schlucke ich den weißen Hormonblocker mit einem Glas Wasser hinunter. Ich habe sehr lange mit Tamoxifen gehadert. Der Wirkstoff bescherte mir steife Gelenke, einen steifen Nacken, Schweißausbrüche, trockene Schleimhäute und in diesem Jahr wahrscheinlich sogar einen Fersensporn und einen immer noch spürbaren Tennisarm. Gut, ich weiß: Das haben andere Frauen in meinem Alter oft auch ohne dieses Medikament. Aber wir Frauen mit Antihormontherapie haben diese Symptome oft noch verstärkt. Laienhaft ausgedrückt, werden die Sehnen durch den Östrogenentzug wohl spröder und verkürzen sich. So steht nun Dehnen auf meinem täglichen Programm - vor allem meiner Sehnen rund um den Hals. Dehnen, das ich schon seit meiner Jugend aus sportlichen Gründen praktiziere, ist mittlerweile im wahrsten Sinne des Wortes „notwendig“ geworden. Seit ich das mache, habe ich weniger Schmerzen.


Nun soll ich nach 5 Jahren von Tamoxifen auf einen anderen Hormonblocker für weitere 5 Jahre umsteigen. Dabei habe ich mich endlich doch gut damit arrangiert. Ich habe wirklich Angst vor dieser Umstellung. Wer weiß, was das neue Medikament wieder mit mir macht. Auf jeden Fall möchte ich zwischendurch wenigstens ein paar Wochen gar nichts nehmen ... einfach mal sehen, ob sich meine Gelenke ohne Medikamente wieder erholen. Mal schauen, was die Ärzte dazu sagen und ob ich das Wagnis eingehen will.


Rückblick auf das Jahr 2023


Der Krebs ist so weit von mir entfernt, dass auch meine Blogbeiträge, die durch ihn entstanden sind, sehr auf sich warten lassen. So will ich nun wenigstens noch meine wichtigsten Stationen des letzten Jahres aufzählen und berichten, was mich gedanklich beschäftigt hat.


Knieoperation und Reha meines Mannes im Januar

Im Januar wurde Georg in Bad Abbach am Knie operiert. Für ihn verlief alles nach Plan und zur vollsten Zufriedenheit. Für mich war es interessant, weil für mich der Alltag dadurch unterbrochen wurde und ich durch die Veränderung von gewohnten Abläufen vieles wieder bewusster wahrnehmen konnte.


Enkelkinder und Eltern

Viel Freude bereiten mir die wöchentlichen Besuche unserer zwei Enkelinnen. Aufregend war für uns dabei das erste kleine Reitturnier von der vierjährigen Evelin im April. Als eines meiner größten Geschenke empfinde ich auch, dass es meinen Eltern für ihr hohes Lebensalter noch sehr gut geht und wir wiederum mit vier Generationen zusammen Weihnachten feiern durften. Dieses Jahr hat es mich dabei besonders berührt, weil ich es war, die vor 5 Jahren nicht mitfeiern konnte. Ich hatte damals meine "Stille Nacht" nach der Brustoperation im Krankenhaus.


Abschied von Mathilde

Leider mussten wir uns am 14. April von meiner Schwiegermutter Mathilde verabschieden. Es hat sich gezeigt, wie sehr wir als Familie miteinander verbunden sind und wie harmonisch wir ihr gemeinsam die letzte Ehre erweisen konnten. Meine Aufgabe war es, während des Gottesdienstes ihre Lebensstationen und ihre Person vorzustellen. Das fiel mir sehr leicht, denn sie war eine großartige, starke Frau, die ich mit ihrer Hilfsbereitschaft und Herzlichkeit sehr geschätzt habe.


Erinnerungen an unsere Thümi-Oma

Bis eine leichte Demenz ihr zum Schluss Grenzen setzte, arbeitete sie unermüdlich in Haus und Garten. Großzügig versorgte sie uns immer mit Socken, viel Eingewecktem aus ihrem geliebten Garten und so manchem leckeren fränkischen Gericht. Ich bewunderte sie für ihren Fleiß, ihren klaren Ordnungssinn und auch für ihren trockenen Humor. Vor allem bin ich ihr dankbar, dass sie meinen größten Schatz zur Welt gebracht und ihm so viele ihrer positiven Eigenschaften mitgegeben hat. Denn was wäre ich ohne meinen Mann Georg?

 

Der Tod gehört zum Leben

Das Abschiednehmen von liebgewonnenen Menschen gehört von Jahr zu Jahr mehr dazu. Auch wenn es jedes Mal sehr traurig macht, weil es eben endgültig ist, weiß ich auch: Der Tod gehört zum Leben. So grausam das auch klingen mag. Manchmal ist der Tod sogar die bessere Alternative zu einem Leben, das nur noch eine Qual ist. Bei aller Wehmut versuche ich dann eher meinen Blick auf die schönen Momente zu richten, die ich mit diesem Menschen erleben durfte, die mir niemand nehmen kann und für die ich einfach nur dankbar bin.


Hochzeit

Und Leben wird Gott sei Dank immer wieder weitergegeben. Ende April hat unser jüngster Sohn Andreas standesamtlich geheiratet. Eine sehr sympathische Schwiegertochter ist damit Teil unserer wachsenden Großfamilie geworden. Christina ist Grundschullehrerin in Beilngries. An der Schule, an der mein Mann schon als Förster und ich lange als Elternbeiratsvorsitzende aktiv waren. Umso schöner ist es, wenn wir im Gespräch von allen Seiten positive Rückmeldungen über Christinas Kompetenz und Freundlichkeit hören. Das tut einfach im Herzen gut und macht mich stolz und glücklich.


40 Jahre Abitur


Ein Geschenkkorb für den Direktor Christof Neumayr

Auch ich durfte meine alte Schule wieder besuchen. 1983 habe ich am musischen Gabrieli-Gymnasium in Eichstätt mein Abitur gemacht. So durfte ich im Mai mit einem bewährten Team unser 40-jähriges Jubiläum vorbereiten. Die vielen herzlichen Begegnungen haben sehr viel Freude bereitet. Niemand muss hier mehr seine Leistung unter Beweis stellen. Im Gegenteil, so mancher bewegt sich schon aktiv auf den Ruhestand zu. Auch hier war es für mich bewegend auf das Treffen 5 Jahre zuvor zurückzuschauen. Damals hatte ich gerade einmal einen Tag davor meinen Port gesetzt bekommen. Über meine Krebserkrankung weihte ich an dem damaligen Treffen nur wenige ein. Mit diesen hatte ich allerdings dadurch sehr intensive Gespräche, zumal schon mehrere aus unserer Klasse tatsächlich verstorben sind.

 

Fotokurs

Fotografieren ist für mich zu einer wohltuenden Entspannung geworden. Ich liebe es, durch den Sucher zu schauen und zu wissen: Das wird ein gutes Foto. Im Mai habe ich mir einen Fotokurs bei meiner Freundin, der Fotografin Christine Olma, gegönnt. Sie konnte mir die Geheimnisse von Blende, Zeit und ISO sehr anschaulich vermitteln. Vor allem, weil ich endlich offen dafür war, es auch wirklich verstehen zu wollen und vor allem einzuüben. Denn Übung ist die Voraussetzung, wenn man Bilder auf Dauer manuell einstellen möchte.

Meine ersten Übungen habe ich dann im Nürnberger Tiergarten gemacht. Natürlich mit den beiden Enkelinnen. Einfach zu schön, dass ich durch die Kiddis nun wieder so schöne Aktionen machen darf.




 

Ausflug mit den Volleyballern nach Ulm

Im Juli verbrachte ich mit den Volleyballern drei abwechslungsreiche Tage in Ulm. Wir hatten ein wunderbar buntes Programm zwischen Kunst, Kultur und Natur ... und einfach ganz viel Spaß miteinander. Die Bilder sprechen für sich.




Kein Platz für Diskriminierung



Vera Rogocheva

Im Oktober beteiligten wir uns wieder mit einem Fotoprojekt an der Interkulturellen Woche des Eichstätter Landkreises. Im Mittelpunkt stand eine Bank mit der Aufschrift: Kein Platz für Diskriminierung. Mehr dazu im Zeitungsbericht des DK von Fabian Rieger und auf meiner Facebook Seite. Sehr schöne Bilder sind dabei entstanden. Unterstützt wurde ich dabei von einer mir sehr lieben Freundin und Fotografin aus der Ukraine Vera Rogocheva, Jan Faizi, der mich dieses Jahr auf besondere Weise fotografisch begleitete und mein langjährigen Fotofreund Mevlüt Altuntas. Mit ihm hatte ich bereits 2021 die Fotoausstellung "Die Welt in Beilngries" gestaltet.




 

Volleyball-Turnier in Dietfurt

Und was hat mich neben dem Fotografieren durch dieses Jahr getragen?

Es war, wie schon seit Jahren, das Volleyballspielen. Trotz leichter Einschränkungen hat es mir wieder viel Kraft gegeben. Ich freue mich immer wieder über meine schnellen Reflexe, die einfach da sind. So bin ich oft selbst erstaunt, wie ich so manchen Ball noch kurz vor dem Boden retten oder mit einem einarmigen Schlag aus der letzten Ecke des Feldes ins gegnerische Feld zurückschlagen kann. Vor allem aber schätze ich das freundschaftliche Miteinander mit meinen Volleyballfreund*innen. Egal ob Einheimische oder Afghanen. Gemeinsam um den Sieg kämpfen und dabei viel lachen, das ist einfach wunderbar. Das Volleyballturnier in Dietfurt, an dem United Beilngries mittlerweile sogar mit zwei Mannschaften teilnimmt, ist dann nur noch das i-Tüpfelchen des Volleyballjahres.



 

Herbstkonzert des Symphonischen Blasorchesters:

Jedes Jahr im November findet das Herbstkonzert des Symphonischen Blasorchesters Beilngries statt. Ich begleite dieses Orchester schon seit vielen Jahren. Ich liebe diese Art von Musik. Ich kann mich dabei wunderbar entspannen. Auch wenn ich dabei fotografiere. Gerade weil diese Veranstaltung in ein sehr stimmiges Licht getaucht ist und die Musiker*innen sehr festlich gekleidet sind, entstehen fast schon automatisch sehr schöne Bilder. Einen Teil davon könnt ihr auf meiner Instagram-Seite sehen. Ich habe dort quasi mit einer Serie vom letztjährigen Jubiläumskonzert angefangen die stimmungsvollen Bilder jeweils mit Texten zu teilen.






Doch was hat mich in diesem Jahr gedanklich und emotional am meisten belastet?


Es war wiederum der Unfrieden in der großen und in meiner kleinen zwischenmenschlichen Welt. Bereits 2022 war das mein Kernthema: Die hinterlassenen Scherbenhaufen durch Kriege, Katastrophen, Krisen und Konflikte weltweit. Zudem die Spannungen und Verletzungen in meinem persönlichen Umfeld.


Schockiert lese ich, dass ich in meinem letzten Blogbeitrag ausgerechnet mit dem Bild von Banksy mit der Friedenstaube in der kugelsicheren Weste aufgehört habe. Banksy hatte es in Bethlehem auf die Mauer gesprayt, um auf den israelisch-palästinensischen Konflikt hinzuweisen. Und ich endete meinen Beitrag mit der Hoffnung auf weltweiten Frieden.


Dieser ist mit dem Angriffskrieg der Hamas wohl in weite Ferne gerückt. Die Frage ist, ob es überhaupt einen Weltfrieden geben kann. Ich denke mittlerweile: Wahrscheinlich genauso wenig, wie es überall ein harmonisches Auskommen der Menschen miteinander im Alltag geben kann.


Was machen diese Ereignisse mit mir?

Die vielen negativen Nachrichten zogen mich sehr runter. Somit bin ich irgendwann dazu übergegangen, nicht mehr alle Nachrichten anzuschauen, um mich nicht ständig damit zu belasten. Ich muss für mich die Balance finden, informiert zu sein, aber mir dadurch nicht die Lebenskraft rauben zu lassen. Meine Kräfte lassen aufgrund meines Alters sowieso schon nach. Ich bin nicht mehr so belastbar und (noch) langsamer als früher.


Dennoch möchte ich meine verbleibenden Ressourcen für die Menschen hier vor Ort einsetzen. Vor allem für die, die Opfer dieser weltweiten Kriege wurden. Nur so viel, wie ich kann, ohne mich wieder zu überfordern. Das hat mich meine Krankheit gelehrt. Gott sei Dank gibt es aber viele weitere Menschen, die aktiv versuchen, Positives in diese Welt zu tragen - jeder auf seine Weise. Die vielen kleinen und vielleicht manchmal auch größeren Lichter machen unsere Herzen auf jeden Fall wärmer und zufriedener.


Krieg spaltet und schafft Durcheinander

Der Angriff der islamistischen Hamas hat unsägliches Leid über Israelis und Palästinenser*innen gebracht. Diese grausamen Ereignisse werden sich in die Seelen der Menschen eingraben und diese über Generationen hinweg belasten. Jeder Krieg hinterlässt eine tiefe Spur verbrannter Erde.


Auch wenn das betroffene Gebiet, der Gazastreifen, nicht so groß ist, haben diese Gräueltaten Auswirkungen auf die ganze Welt. Dieser Konflikt spaltet ganze Nationen. In meinem persönlichen Umfeld bekomme ich die Meinungen von Menschen zu hören, die für Israel sind, und von Menschen, die für Palästina sind. Viele hören oft genau die Nachrichten, die in ihr jeweiliges Bild und ihre Denkweise passen. Manchmal auch, weil ihre Quellen einseitig berichten. Gerade in Kriegs- und Konfliktsituationen ist es besonders schwierig, Objektivität und Neutralität zu wahren. Oft will man nur das hören, was ins eigene, manchmal auch religiös begründete Weltbild passt. Was einmal als Wahrheit in die Köpfe eingeprägt ist, lässt sich nicht mehr so leicht korrigieren.


Ich will mich da nicht ausnehmen. Auch ich habe Paradigmen und Glaubenssätze übernommen und gelebt, die ich irgendwann bewusst korrigieren musste. Das bringt dann oft viel Durcheinander im Denken. Es ist nicht immer alles sofort klar und anfangs verwirrend und auch frustrierend. Das Gespräch mit Freund*innen hilft mir da jeweils sehr. Auch meine Gedanken in Worte zu fassen, wie hier für den Blog, unterstützt mich dabei, klarer zu sehen und die Ereignisse besser zu sortieren und zu verstehen.


Das Leben bringt einfach immer wieder Veränderungen mit sich: neue, unbekannte Lebensabschnitte, Krankheiten und Krisen, die einen aus der Bahn werfen, und eben auch Konflikte mit Mitmenschen. Die eigenen Werte und Prioritäten immer wieder zu hinterfragen und sich neu auszurichten, bleibt daher wohl eine ständige Herausforderung. Eine lebenslange Aufgabe ... bis zum Loslassen am Ende des eigenen Lebens. Sofern man die Möglichkeit hat, bewusst darauf Einfluss zu nehmen.


2024


Jetzt geht es für mich aber erst einmal darum, aus den Erfahrungen des letzten Jahres das Jahr 2024 zu planen und zu gestalten. Dabei möchte ich darauf achten, meine Werte und auch meine Würde nicht aus den Augen zu verlieren. Brav sein gehört nur bedingt dazu. Das habe ich immerhin bereits 59 Jahre lang praktiziert. 😉


Ab Januar wollen wir mit unserer Dorfchronik in die Endphase eintreten. Unsere Tochter Anna hat dafür schon ein sehr stimmiges Layout entworfen. Ich freue mich sehr darauf, endlich aktiver an die seit vielen Jahren vorbereiteten Texte und Bilder herangehen zu können. Ich hoffe nur, dass nicht wieder etwas Unvorhergesehenes dazwischen kommt.


Dann gibt es noch meinen runden Geburtstag und eine Hochzeit zu feiern. Außerdem organisiere ich über einen Sponsor neue Trikots für United Beilngries und für die Interkulturelle Woche habe ich auch schon wieder eine Idee, die etwas Vorlauf braucht. ...


Ja, das neue Jahr 2024 wird wohl wieder nicht langweilig werden. Über Weihnachten und die Zeit zwischen den Jahren habe ich mich gut erholt. Und so kann ich nun voller Euphorie sagen: "2024, ich komme und fülle deine Tage mit Leben. Ich bin gespannt, wohin mich deine Wege führen."





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1 Comment


Monika Sacher
Monika Sacher
Jan 06

Sehr schön liebe Ingrid dein neuer Beitrag ist wieder wie gewohnt mit großer Liebe und Respekt sowohl für dich als auch für die Menschen in deiner Familie und in deinem Umfeld geschrieben. Das beeindruckt mich sehr. Aber auch deine Bilder zeigen Können und den richtigen Blick für das Wesentliche. So ist dein neuer Beitrag wieder ein harmonisches, interessantes, und wertvolles Gesamtwerk. 🙏🏻🙏🏻🙏🏻welches ich mit großem Interesse und Freude gelesen habe. Du gibst und zeigst sehr viel von dir durch diesen Blog, auch das ist in unserer oft oberflächlichen Zeit nicht mehr selbstverständlich. Dafür danke ich dir und ich hoffe es macht noch vielen andere Menschen Mut sich zu zeigen 🥰😍.

Ich wünsche dir weiterhin alles Liebe, gute Gesundheit, liebe Menschen,…

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