Meine erste Reaktion auf die Diagnose

Was macht man als erstes, wenn man vom Arzt heimkommt und dieser die vermutete Diagnose Krebs tatsächlich bestätigt hat?


Ich kann nur sagen, was ich gemacht habe:


Ich habe mein Auto gewaschen!

Ich liebe mein kleines rotes Auto, einen A1. Vielleicht schlägt da auch die Tochter von meinem Papa durch, der viele Jahre stolz bei Audi gearbeitet hat und bisher auch immer mein Auto gepflegt hat.

Für mich bedeutet das jetzt, nicht viel denken müssen und sich an einem schönen Ergebnis freuen!





Was will ich als nächstes tun?


Ich gehe in mein Schlafzimmer. Mein Kleiderschrank! Viel zu voll!

Ich bin jemand, der nichts wegwerfen kann. Ich will diese offene Situation nutzen, um wegzuwerfen.


Das erste, das ich durchschaue, sind meine BHs. Jetzt ist es einfach: Weg mit allem, was ich eh schon ewig nicht mehr an hatte. Ausgeleierte Socken und Unterwäsche! Locker werfe ich die unansehnlichen Teile auf einen immer größer werdenden Stapel.


Nun zu den T-Shirts. Hier werde ich schon etwas langsamer und fange zu überlegen an.

Zwischen den Stapeln entdecke ich sogar noch zwei Teile mit Etikett. Diese wollte ich anscheinend schonen. Für besondere Anlässe aufheben.

Mir ist klar: Diese Kleidung gefällt nur mir so gut, jemand anderes wird diese Stücke später nicht so schätzen. Ich schneide die Etiketten ab.


Anschließend hole ich einen Sack und stopfe die ausgemusterten Teile hinein. Dabei muss ich schon wieder grinsen. Ich kenne mich. Ich sollte den Sack bald abgeben. Könnte sein, dass ich da irgendwann wieder drangehe …


Und jetzt noch?


Ich mache mich an meinen Schreibtisch: Berge an Büchern, Zeitschriften, aber auch Zeitungsartikel und Broschüren türmen sich darauf. Ich habe sie gesammelt, um sie irgendwann einmal zu lesen. Wenn ich mal Zeit hätte. Ich bin ein total wissbegieriger Mensch. Interessiert an so vielem.


Mich schockt der Gedanke, dass auch Wissensgewinn irgendwann mal relativ sein kann. Dazulernen war für mich immer so wahnsinnig wichtig. Ist auch das irgendwann sinnlos?Wozu das angereicherte Wissen im Kopf? Man kann es auch nicht - wie auf einer Festplatte gespeichert - jemandem aushändigen. Die vielen tausend Gedankenströme sind irgendwann einfach weg. Es gab und gibt so viele kluge Leute mit einem enormen Wissen. Oft verschwindet solch ein Wissen bei Demenz, anderen Erkrankungen oder eben Tod. Schon eigenartig: Sogar bei der Wissensanhäufung sollte man sich gut überlegen, in welchem Maß und zu welcher Zeit es sinnvoll ist.


Großzügig und mit einer ungewohnten Leichtigkeit werfe ich herausgerissene Zeitungsartikel und Zeitschriften weg. Auch wirklich Interessantes! Aber mir ist bewusst: Ich kann das rein zeitlich alles gar nicht lesen. Jeden Tag kommt ja immer wieder neues dazu. Das Internet, Bücher aus meinem Buchladen … alles viel zu viel an Informationen.


Mich erleichtert das Wegwerfen


Ballast abwerfen Vielleicht dadurch auch Zeit gewinnen? Ich nehme mir vor, unser Haus in den nächsten Wochen noch mehr zu entrümpeln. Aufräumen! Klarheit reinbringen. Durcheinander im Haus ist vermutlich auch ein Spiegel des eigenen Innenlebens. Und unser Haus ist voll!


Ich freue mich aufs Aussortieren ...

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