Leben mit Adonis

Aktualisiert: 23. Aug. 2021

Ein eigenartiger Titel für einen Blog.

Dieser soll mich und euch 1 Jahr lang durch meinen Heilungsprozess begleiten.

Heilungsprozess ein schönes Wort. Ich habe es von einer aufmunternden Mail unseres Bürgermeister Alex Anetsberger übernommen.




Wie kommt es zu diesem Namen "Adonis"?


Eine Freundin aus unserer Gegend hat ebenfalls Brustkrebs. Ihre Diagnose bekam sie ca. 3 Monate vor mir. Als ich sie zum erste Mal anrief, fragte ich sie, was sie denn für einen Krebs habe. Sie wusste es gar nicht. Und ich meinte, meiner klingt so ähnlich wie Adonis. Adonis war eine Art Liebesgott, ein Schönling. Wir beiden mussten furchtbar lachen. Das war doch ein passender Namen für jemanden, den man sehr nah an seinem Herzen trug.


Tatsächlich heißt meine Krebsart: Adenocarcinom.


Und ich finde Adonis passte da ganz gut. Immer von Krebs zu sprechen, macht keinen Spaß. Tumor ist auch sehr negativ besetzt. Allerdings verwende ich diese Begriffe schon auch - vor allem, wenn mein Gegenüber meine Krankheit zu sehr verniedlichen will oder ich herausstellen möchte, dass das Ganze kein Spaziergang ist, was da auf mich zukommt. Ich verwende die unterschiedlichen Begrifflichkeiten eben genau so wie ich denke, dass mein Gegenüber es braucht.


Spannend ist es auch für mich, in verschiedenen Blogs zu lesen, dass viele Betroffene „ihrem Krebs“ ebenfalls Namen gegeben haben. So schreibt eine 16 jährige von "Karl-Heinz". Eine andere spricht von ihrem "Schweineerwin".

Manche bezeichnen ihn als Feind, der ihnen den Lebenssaft abdrehen möchte. Viele gehen dabei nicht sehr zimperlich mit diesem Bösewicht um. „Arsch… verpiss dich!“, taucht dabei gleich mehrfach auf.


Warum wähle ich eigentlich eher intuitiv einen positiven Begriff?


Vielleicht beruht dies auf meiner prinzipiellen Einstellung zu sogenannten „unbequemen Situationen" oder auch „schwierigen Menschen“. Ich versuche normalerweise alles erst einmal unvoreingenommen zu betrachten. Und nicht gleich den Feind darin zu sehen, der mir schaden will.

Zudem wird der Tumor auch nicht sofort entfernt. Er ist mit 4 cm Größe momentan einfach zu groß dafür. Man muss nämlich bei einer OP immer um den Krebs herum ausreichend gesundes Gewebe mit entfernen. Dies wird dann auch anschließend im Labor korrekt überprüft. Notfalls wird in einer weiteren Operation nachgeschnitten. Es sollen auf gar keinen Fall bösartige Zellen im Gewebe bleiben, die später weiterwachsen können. Würde sofort operiert, wäre auf Grund der Tumorgröße von meiner Brust nicht mehr viel vorhanden. Das wäre jetzt nicht unbedingt ein Problem für mich.


Aber es gibt auch einen weiteren Vorteil der sogenannten neoadjuvanten Chemotherapie, also einer Chemo vor der OP: Man sieht gleich, ob diese Art der Chemo auch auf meine Krebsart hin anspricht. Wenn mein Tumor kleiner wird oder gar ganz verschwindet, ist das ein Zeichen dafür, dass die Zytostatika (Medikamente gegen Krebs) auf meine Krebsart ansprechen. Versteckte Krebszellen, die vielleicht schon in Organe abgewandert sind, würden dann davon auch abgetötet und es können sich keine Metastasen daraus bilden.


Das heißt, es wird bei mir jetzt nicht gleich der Tumor entfernt - was oft gemacht wird, wenn er wirklich noch sehr klein ist. Stattdessen muss ich noch mindestens ein halbes Jahr mit diesem „bösen Jungen“ Adonis weiter zusammen leben.


… um ihn dann hoffentlich für immer verabschieden zu dürfen!



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