Zeit für meine Reha!

Aktualisiert: 23. Aug. 2021

Autsch! Ich springe mit einem Bein am Volleyballnetz hoch und mache dabei eine unglückliche Drehbewegung. Ich spüre einen starken Schmerz im Oberschenkel. Mist. Auch das noch. Habe ich doch seit Wochen bereits einige Handicaps. Jetzt wird es echt Zeit, dass ich auf Reha komme.


Mein Körper ist momentan irgendwie am Ende. Meine Muskeln schmerzen, die Knie und weitere Gelenke sind vor allem am Morgen steif. Am meisten belastet mich aber mein Genick. Es knirscht bei jeder Drehbewegung. Zudem habe ich ein beängstigendes Ziehen im rechten hinteren Halsbereich. Meine Verspannung an meiner Schulter werde ich auch nicht los, genauso wenig wie die Schmerzen im Lendenwirbelbereich.


So freue ich mich sehr, dass ich mich am Mittwoch, 13. Februar, endlich auf den Weg in meine Reha nach Aulendorf in Baden Württemberg machen darf.


Ich habe sowohl zu Hause, als auch in der Arbeit noch so manche Überstunde geschoben. Normal, wenn ich verreise. 3 bis 4 Wochen nicht da zu sein, kostet einfach Vorbereitungszeit. Aber nun sitze ich in meinem roten Flitzer. Georg meinte noch beim Hinaustragen der unzähligen Taschen und Koffer, ob ich vor hätte ein halbes Jahr zu bleiben ....


Ich fahre noch kurz bei meinen Eltern in Kipfenberg vorbei, will mich noch verabschieden.

Von meiner Mama bekomme ich - wie so oft auch in meiner Kindheit - noch Weihwasser zugespritzt. Da kann ja gar nichts schief gehen.


So komme ich auch pünktlich um 11 Uhr im Parksenatorium in Aulendorf an. Ich war noch nie auf einer Reha und habe keine Ahnung, was mich hier alles erwartet.


Aufnahme:


Nach kurzer Wartezeit bekomme ich meine Schlüssel und - ganz wichtig - meine Daten für den Internetzugang überreicht. Ein älterer Mann nimmt mich in Empfang. Er will mein Gepäck aus dem Auto holen und zum Zimmer bringen. Ich sage, ich könne das auch später selbst machen. „Ich mache das aber gerne für Sie. Dafür bin ich doch da", meint er mit einem warmen Lächeln. Und schon lerne ich hier meine erste Lektion: Annehmlichkeiten, die einem angeboten werden, sollte man auch annehmen. Denn es ist für mich wirklich eine große Erleichterung, dass der freundliche Mann meine Unmengen Gepäck samt Nordicwalking-Stöcken mit einem Wagen den Aufzug nach oben und dann die langen Gänge entlang zu meinem Zimmer bringt. Auf den Weg dorthin erklärt er mir bereits einzelne Details. Aber ich müsse mir noch gar nicht alles genau merken: Ich bekomme am nächsten Morgen noch einmal eine komplette Hausführung.


Mein Zimmer ist hell und freundlich. Ich packe meine Kleidung in die Schränke. Super, alles klar und überschaubar. Es ist eigentlich viel einfacher, wenn man nicht all sein Zeug um sich hat. Weniger Sachen heißt: Leichter Ordnung halten und man muss sich weniger Kopf machen, was man anzieht.


Mein Zuhause für die nächsten Wochen


Ab 11.30 Uhr gibt es bereits Mittagessen. Im Speisesaal wird mir ein fester Platz bei zwei älteren Herren zugewiesen. Da stutze ich zum ersten Mal. Äh, eigentlich würde ich mich lieber - wie die Frau vor mir - an den Tisch mit den jüngeren Frauen setzen. Mutig traue ich mir nun, das auch gleich zu sagen. Doch die Dame meint, ich solle es erst einmal an diesem Tisch probieren. Ich könne ja auch später noch an einen anderen Tisch wechseln, wenn ich ein Problem hätte.


Aber das habe ich gar nicht. Die beiden Herren reisen nämlich bereits am nächsten Tag ab. Und daher bin ich erst einmal ganz alleine für ein paar Tage an meinem Tisch. Sehr gut. Denn ich will ja eigentlich im Moment eher meine Ruhe. Vor allem beim Essen.


Genau, ich möchte hier auf Reha viel alleine sein: Mich um nichts und niemanden kümmern müssen. So haben mir das ja auch meine Freunde empfohlen. Aber bald schon hängt sich eine Frau an mich ran. Überschüttet mich mit ihren gesundheitlichen und privaten Problemen. Da ist es doch auf einmal ganz gut, eine feste Tischordnung zu haben. Dadurch bekomme ich meinen Schutzraum. Diese Wendung fasziniert mich und ist ein Beispiel für vieles hier. Etwas, das ich auf den ersten Blick erst einmal als negativ gesehen hatte, verwandelte sich in etwas positives. Die Geschichte "Glück oder Unglück, wer weiß das schon?" bewahrheitet sich wieder.



Arztbesuch


Am Ankunftstag ist dann lediglich noch das Gespräch mit dem Stationsarzt. Zu diesem Termin krame ich meine kopierten, medizinischen Unterlagen hervor. Zusätzlich habe ich auf meinem Laptop noch zusammengeschrieben, was mir alles so weht tut. Ich will ja nichts vergessen. Eine ganze DIN A4 Seite mit meinen Beschwerden ist dabei herausgekommen.


Der ältere Arzt ist sehr nett und einfühlsam. Er notiert sich meine komplette, momentane Befindlichkeit. Daraus wird dann mein Therapieplan erstellt. Doch für heute war es das erstmal. Ich begebe mich auf mein Zimmer und falle sofort in einen entspannten Schlaf.


Ach, wie bin ich glücklich. Ich habe das Gefühl: Das wird hier eine gute Zeit.


Ich will auf der Reha meinen Körper neu stabilisieren und stark machen. Meine offenen Fragen rund um meine Lymphprobleme klären. Mir Gedanken darüber machen, wie ich mein nächstes Lebensviertel gestalten will. Außerdem möchte ich bilanzieren: Was habe ich durch meine Krebserkrankung verloren und was habe ich gar durch sie gewonnen? Vor allem will ich den Sack „Krebs" gut zubinden. In der Hoffnung, dass er für lange Zeit oder sogar nie mehr geöffnet wird.


Mal schauen, was sich alles von meinen Zielen umsetzen lässt.



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