Wenn Bilder sprechen

Aktualisiert: 23. Aug. 2021

Gerade hat Wolfgang Aue auf dem Beilngrieser Herbstwalk Fotos von mir gemacht, da spricht mich Daniel Hertrich an. Er habe etwas besonderes mit mir vor. Dazu bräuchte er aber auch meine Perücke. Ermutigt durch mein erstes Shooting lasse ich mich auf das neue Abenteuer ein.


Daniel ist ein sehr einfühlsamer Fotograf. Ich kenne ihn bereits vom Foto-Stammtisch der Beilngrieser Hobbyfotografen. Mit ihm kann ich auch tiefergehende Gespräche führen. Er liebt es wie ich, die Welt ein Stück weit verstehen zu lernen und dieses Wissen auch weiterzugeben. So hat er auch ein Buch über Fotografie geschrieben und gibt Kurse. Regelmäßig verschickt er auch Infos über einen Newsletter, den man gerne auf seiner Website https://www.making-of-fotografie.de/ anfordern kann.


Ganz behutsam erklärt mir Daniel sein Vorhaben. Ich soll meine Perücke in die Hand nehmen. Sie betrachten und durch meine Mimik meine Gefühle dazu zeigen. Ok. Das habe ich verstanden.


Aber Gefühle gegenüber meiner Perücke direkt habe ich eigentlich ja nur positive. Mir hat sie von Anfang an gefallen und ich finde sie auch sehr praktisch. So unkompliziert und schnell war ich noch nie mit meiner täglichen Frisur fertig 😊. Daher will ich mir hinter der Perücke eher meine Krankheit vorstellen. Sozusagen die Perücke als Symbol für meine Krankheit Krebs.


Wir suchen für die Aufnahmen einen passenden Standort. Gar nicht so einfach im Freien. Der Hintergrund ist überall sehr unruhig. Mit einer offenen Blende und einem gewissen Abstand zum Hintergrund kann man das aber einigermaßen ausgleichen. Daniel ist Profi, auch wenn er sich das Fotografieren neben seinem eigentlichen Job als Elektroingenieur selbst beigebracht hat.




Auf dem ersten Bild lächle ich noch. Ich ermahne mich: "Konzentriere dich! Wie empfindest du deine Krankheit?" Es muss kein "Strahle-Bild" werden.




Ernster versuche ich nun in mich hineinzuhorchen. Mir kommen die Fragen: "Was machst du mit mir, Krebs? Was machst du aus mir? Was wirst du noch alles mit mir anstellen? Bist du Freund oder eher Feind?"




Eigentlich mag ich ihn nicht. Er nervt mich. Er bringt soviel Durcheinander.




Meine Gesichtszüge hellen sich aber schon wieder auf. "Er fordert mich auch heraus." Eigentlich habe ich noch nicht viele negative Erfahrungen mit ihm gemacht. Im Gegenteil: Die Zeit mit meiner Krankheit war bisher für mich durchaus auch gut und bereichernd.


Wir wechseln den Standort.




Auch hier hält mein grimmiger Gesichtsausdruck - mein Groll auf diese schreckliche Krankheit - nicht lange an. Er wechselt zu einem Lächeln. Schließlich fast zu einem Anhimmeln. Schon verrückt.




Licht fällt in mein Gesicht. Ja, es ist nicht alles dunkel, was ich mit der Krankheit verbinde. Ich bin froh, dass ich eine positive Sichtweise auf viele, auch schwierige Situationen in die Wiege gelegt bekommen habe. Dankbar darüber, dass mein Lächeln auch im Angesicht der Krankheit nicht erlischt.




... und eigentlich möchte ich die Krankheit so wie hier in der Hand haben. Ein bisschen locker, nicht verkrampft. Dies war auch meine spontane Ausgangsstellung - bis Daniel die Idee hatte, meinen Blick auf die Perücke zu richten.


Eigentlich will ich die Krankheit gar nicht anstarren. Ihr nur so viel Aufmerksamkeit schenken, wie sie mir abverlangt, damit ich wieder gesund werden kann. Ich will nach vorne schauen. Klar, sie ist da und hält mich auch ein Stück gefangen. Aber sie soll mich nicht beherrschen. Ich will sie in der Hand haben. Mein Leben weiterhin aktiv bestimmen.



Mit einem Lächeln durchs Leben gehen!


Einer meiner größten Wünsche ist, dass die Krankheit mir nicht irgendwann mein Lächeln raubt. So lange ich lächeln kann, ist mein Herz automatisch leicht und hoffnungsvoll fröhlich. Ein schönes Gefühl, das mir Kraft und Energie zum Leben schenkt. Manchmal sogar soviel, dass ich davon noch an andere weitergeben kann.


Untersuchungen haben ergeben: Es geht einem besser, wenn man rein mechanisch die Mundwinkel nach oben zieht. Egal wie die momentane Stimmung ist. Mit diesem Automatismus kann man bewusst seine Gefühle positiv beeinflussen.



Vielen Dank, Daniel, für diese wunderschönen Bilder. Sie bieten mir die Möglichkeit, auf mich zu blicken. Meine Sichtweise zu reflektieren.


Keine Ahnung wie die Bilder auf andere wirken.


Für mich haben sie etwas Positives. Wie meine Erkrankung bisher auch.


Ohne meine Perücke wären diese ausdrucksstarken Bilder auch nicht entstanden.


Eine klasse Idee, Daniel! Und super umgesetzt!


... und die Bilder sagen aus: Mir geht’s trotz allem gut!








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