Und so reagieren meine Angehörigen...

So nun ist es amtlich.


Ab sofort teile ich noch offener mit, dass ich Krebs habe.

Die Reaktionen darauf sind sehr unterschiedlich.

Dabei ist mir klar, dass nicht jeder nach außen zeigt, was er fühlt.


Ich selbst und auch mein Mann Georg sind eher noch in einer Phase, in der wir übers Testament-Schreiben nachdenken. Patientenverfügung wird zum Thema. Ernst gemeint oder auch nicht: Wir scherzen darüber, dass Georg sich nun langsam selbst merken muss, wohin etwas verräumt wird. Dafür war bisher meist ich zuständig.


Andreas


So erkläre ich unserem Sohn Andreas (27Jahre): „Du pass mal auf, ich habe Krebs. Aber Papa und ich gehen damit eigentlich ganz gelassen um. Eher so in dem Stil: Georg muss jetzt das Fläschchen für unsere Lämmer selber aufräumen, damit er es nächstes Jahr im Frühjahr auch wieder finden kann."


Wir gehen dabei in die Küche. „Oh, ihr habt Erdbeeren geholt? Hast du auch schon Marmelade gemacht, Mama?“, fragt Andreas. „ Nein, das mache ich erst das nächste Mal, wenn wir wieder Erdbeeren pflücken“, antworte ich. „Gell, Papa, da müssen wir dann gut aufpassen, wie es geht, damit wir es in Zukunft auch selber machen können.“

Ok, mein kleiner Sohn hat erstaunlich schnell kapiert, worum es mir geht.


Es klingt vielleicht ein bisschen makaber. Aber es war vor allem am Anfang für mich sehr wichtig, sich bewusst zu werden, dass das Ganze nicht harmlos ist. Mein Tumor war ja bereits 4 bis 5 cm groß. Vielleicht hatte er schon gestreut … Alles war möglich.


Anna


Unsere Tochter Anna (29 Jahre) ging ebenfalls sehr sachlich mit meiner Prognose um. Ihr wäre es allerdings lieber gewesen, wir hätten sie sofort eingeweiht. Sie hätte den Prozess gern von Anfang an begleitet. Sie hat sich dann auch gleich ein Buch besorgt und alles ganz fachlich mitverfolgt. Sie war es dann übrigens später auch, die mich immer wieder darauf hingewiesen hat: Mama, kläre dieses oder das bitte beim Arzt ab. Du hast eine tödliche Krankheit, nimm es bitte nicht so leicht!


Meine Eltern


Am schwersten von allen ist es für mich, die Diagnose meinen Eltern mitzuteilen. Mein Vater ist bereits 88 Jahre, meine Mutter 87. Beide noch sehr fit. Ich fahre dazu natürlich persönlich vorbei. Wir reden erst über alles Mögliche. Irgendwann muss ich es aber sagen. Ich spiele alles ein bisschen herunter. Betone, dass ich mich auf die Auszeit freue. Die Chemo sei zwar nervig, aber das funktioniere schon alles. Meine Eltern bleiben gefasst. So kenne ich sie. Meine Mama sagt, dass sie für mich betet und dann wird schon alles. Mein Papa redet nicht so viel. Sein liebevoller Blick ist mir auch genug. Meine Mama ruft seitdem etwas öfters an. Sooft wir telefonieren, fragt sie mich, wie es mir geht. Und auf mein „sehr gut“, meint sie immer: „Des ist d'Hauptsach!“ Ich hätte ihnen das alles wirklich gerne noch erspart.


Schwiegermutter


Meiner Schwiegermutter fällt es schwerer, negative Nachrichten zu verarbeiten. Sie macht sich immer sehr viele Sorgen und kann dann nicht mehr schlafen. Ihr erzähle ich natürlich nur von den vielen Vorteilen, die ich jetzt durch meine Chemo bekomme. Dass ich mich jetzt in den Garten legen und einmal so richtig ausspannen kann… Nichtsdestoweniger merke ich, dass sie nicht abschalten kann und ständig an mich denken muss. So schlage ich ihr vor, dass wir jeden Sonntag um 11 Uhr nach der Heiligen Messe im Fernsehen telefonieren und ich ihr Bericht erstatte. Natürlich könne sie mich aber auch jederzeit anrufen, wenn sie das Bedürfnis habe und die Sorgen um mich sie einholen. Pünktlich um 11 Uhr ruft Thümi-Oma dann auch immer an. Da bin ich sehr dankbar, dass sie immer so zuverlässig ist. Ich bin da nämlich eher der vergesslichere Part. Oma braucht auf jeden Fall noch keine Handy-Erinnerungsfunktion für unseren Telefon-Termin - ich habe mir dagegen jetzt eine eingerichtet!


Ich fühle mich getragen und gestützt in meiner immer größer werdenden Familie. Auch ohne große Worte weiß ich: Alle stehen hinter mir.


Das ist das schöne an einer intakten Familie. Man stützt sich gegenseitig. Jemand der irgendwann einmal schwach ist, wird von den anderen so gehalten, dass er letztlich nicht fallen kann.


... und falls doch? Dann heben wir sie oder ihn gemeinsam einfach wieder hoch 😉


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