Der Tanz des Lebens

Aktualisiert: 7. Nov. 2019

Im Leben sollte man Dinge nicht aufschieben, die einem wichtig, vielleicht sogar eine Herzensangelegenheit sind. Manchmal kann man etwas nicht mehr nachholen ... und es wäre schade, wenn man erst durch ein einschneidendes Erlebnis aufgeweckt wird. Aber wie in dieser Geschichte, ist es vielleicht auch dann noch nicht zu spät!


Es war einmal ein junges Mädchen namens Katharina, das davon träumte, Tänzerin zu werden. Jedes Mal, wenn sie daran dachte oder davon sprach, leuchteten ihre Augen. Ihre Mutter meinte, sie solle sich solche Flausen aus dem Kopf schlagen. Erst einmal sei eine gute Schulausbildung wichtig, tanzen könne sie immer noch.

Nach der Schule sprach der Vater ein Machtwort. Erst müsse man einen vernünftigen Beruf erlernen, tanzen könne sie immer noch.

Nach der Ausbildung wollte ihr Arbeitgeber nicht auf sie verzichten. Er meinte, tanzen könne sie immer noch.

Dann lernte sie einen Mann kennen, der meinte, dass sie doch erst ihre Liebe genießen solle, tanzen könne sie immer noch.

Sie wurde Mutter. Alle meinten, dass sie warten sollte, bis die Kinder aus dem »Gröbsten« raus seien, tanzen könne sie immer noch.

Katharina wurde bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt. Auf ihre Frage, ob sie noch jemals würde tanzen können, meinte der Arzt, sie dürfe froh sein, wenn sie wieder laufen könne.

Da wurde Katharina sehr traurig und weinte sich in den Schlaf. Im Traum sah sie sich tanzen, sie schwebte übers Parkett. Als sie aufwachte, leuchteten ihre Augen. Ja, tanzen könne sie immer noch! Sie vertraute auf ihren Traum und vertraute, dass jetzt endlich der Zeitpunkt hierfür gekommen sei.

Wenige Wochen später erklärten ihr die Ärzte, es sei wohl ein Wunder geschehen. Sie könne wieder gehen und vielleicht sogar tanzen.

Und Katharina tanzte. Nicht auf den großen Bühnen des Theaters, sondern auf der allerwichtigsten und größten Bühne. Sie tanzte den »Tanz ihres Lebens« auf der Bühne des Lebens.


© Gisela Rieger; aus dem Buch „Inspirationen für`s Herz“ ; ISBN 978-3-00-050869-1

(Ich bedanke mich bei der Autorin, dass ich diese schöne Geschichte hier verwenden darf.)



PS.: Das Mädchen im rosa Ballettkleid ist unsere Tochter Anna mit ca. 6 Jahren. Sie tanzte mehrere Jahre und wirkte bei sehr aufwendigen Inszenierungen des Jungen Tanztheaters unter Leitung von Katharina Grill mit. Anna trat aber nicht in die Fußstapfen ihrer bekannten Filmballerina "Anna". Sie wollte lieber Fußballspielen. Und diesen Traum erfüllte sie sich dann ab 15 Jahren in einer damals noch gar nicht so üblichen Damenmannschaft. Sie hätte lieber schon als Kind Fußball gespielt als getanzt, meinte sie später. Aber wenn es auch bei ihr für die große Fußballkarriere zu spät war, erfüllte sie sich doch noch ihren Traum auf dem grünen Rasen und konnte so manchen Erfolg mir ihren Madls vom FC Schweigersdorf feiern.

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