Nachsorge mit Sorgen verbunden?

Aktualisiert: 29. Mai 2021

Ein spannendes Kapitel, das mich mindestens über 10 Jahre begleiten soll. Viele Frauen haben bereits Tage vor diesem Termin schlaflose Nächte. Klar, es kann dabei immer etwas Böses entdeckt werden. Aber Angst ist ein schlechter Berater. Angst tut mir nicht gut. Und egal, ob ich mir vorher Sorgen mache. Es ändert nichts am Ergebnis. Daher plane ich über meinen Verstand immer ganz "cool" zu meinem Frauenarzt zu gehen. Ob mir das wohl immer gelingen wird?


Erste offizielle Nachsorgeuntersuchung in Eichstätt


Am 20. August 2019 habe ich meine 1. Nachsorgeuntersuchung. Da ich ja schon weit über 1 Jahr keine Krebsvorsorge mehr hatte, lasse ich diese dort gleich mitmachen. Der Frauenarzt tastet dabei die Lymphknoten in der Achselhöhle und meine Brust nach Knoten ab. Meine Naht der abgenommenen Brust findet er gelungen. Schließlich werden noch die weiblichen Genitalien untersucht und ein Abstrich gemacht. Danach frage ich den Arzt noch, was er von der vorbeugenden Einnahme von Vitaminen und deren Bestimmung im Blut hält. Ich hatte davon im Forum der Frauen mit Krebs gelesen. Es gibt Untersuchungen, die sagen, dass man mit einem zu niedrigen Vitamin D3-status Brustkrebs bekommen kann und auch die Metastasierungsrate höher sein könne. Der Mediziner meint, er könne eine Blutentnahme gerne gleich veranlassen. Die Kosten von ca. 70€ Arzt- und Laborkosten muss der Patient selbst tragen. Aber das ist mir meine Gesundheit wert. Bzw. ich weiß ja jetzt aus Erfahrung, was denn dann wirklich für Kosten auf einen selbst, aber vor allem auch auf die Allgemeinheit zukommen, wenn man ernsthaft erkrankt.




Ein paar Tage später kann ich beim Frauenarzt nach dem Ergebnis fragen. Mein Ferritin (Eisen) und Selen passen. Bei Zink bin ich unter dem empfohlenen Wert. Auch bei Vitamin D3 habe ich eine "unzureichende Versorgung". Daher empfiehlt mir der Arzt, dass ich mir Vitamin D3 und Zink in Form von Tabletten aus der Apotheke besorge.



Später lese ich noch im Forum, dass zusätzlich auch Magnesium für die Muskeln gut sei. So wird mein Tablettenschächtelchen, das ich mir mittlerweile zugelegt habe, langsam immer voller. Sonntagabend fülle ich dies für die ganze Woche. So kann ich nicht durcheinander kommen. Meine Handyerinnerungsfunktion erinnert mich zwar täglich um 22 Uhr an mein unerlässliches Medikament, den Hormonblocker "Tamoxifen", aber die klicke ich meist gleich wieder weg. So ist es mir tatsächlich schon ein paar Mal passiert, dass ich mir nicht mehr klar war, ob ich diese Tablette jetzt genommen habe oder noch nicht. Durch das grüne Schächtelchen sehe ich das nun glasklar. Und so gibt es nur noch ganz selten ein "Ups" am Morgen: "Oh, ich habe meine Tablette vergessen. Jetzt aber schnell runter damit!"




Zweite Nachorgeuntersuchung am 4. November


Ich starte mit einer Mammografie im Krankenhaus in Eichstätt. Auf meinem klugen Forum hatte ich gelesen, dass man diese einmal pro Jahr machen sollte. Aus dem offiziellen Screening, zu dem alle Frauen ab 50 Jahre alle zwei Jahre eingeladen werden, fällt man nämlich ab der Diagnose Krebs automatisch heraus. Den Termin im Eichstätter Krankenhaus bekomme ich ganz unkompliziert. Zur Röntgenassistentin sage ich grinsend, dass sie mit mir nur die halbe Arbeit hat. Sie schaut mich verwundert an und ich kläre sie auf, dass mir eine Brust bereits abgenommen sei. Sie meint dazu lächelnd, sie hätte auch gerne für mich mehr gemacht.


Freudig höre ich dann anschließend vom Strahlenarzt: "Alles in Ordnung. Keine Auffälligkeiten."


Danach darf ich gleich zu meinem Frauenarzt. Er frägt ein bisschen herum und meint dann: "Das nächste Mal machen wir dann Ultraschall. Alle halbe Jahr reicht das." Es gibt keine Blutentnahme, keine Untersuchung der Brust oder anderer Organe ... Auch in meinen Nachsorgepass, den ich meinem Frauenarzt über den Tisch gereicht habe, trägt er nichts ein. So mache ich mich ein bisschen enttäuscht, dass nicht mehr gemacht wurde, wieder auf den Heimweg. Irgendwie checke ich das nicht. Warum vierteljährig zum Frauenarzt, wenn dort kaum etwas gemacht wird? Ich muss mich mal informieren, wie Nachsorge ganz offiziell ausschauen soll. Ich bin mit dem, was mir mein Frauenarzt bietet, nicht ganz zufrieden. Aber zufrieden bin ich erst einmal mit mir: Ich habe mir wieder keinen Stress wegen der Untersuchung gemacht. Oh, bin ich gut 👌.


Zu Hause lese ich dann im Forum nach, wie das bei anderen Frauen gehandhabt wird. Da lese ich alle möglichen Varianten. Anscheinend kommt es auch ein bisschen auf den Arzt an, bei dem man ist. So informiere ich mich schließlich in den Leitlinien der Onkologie . Dort steht dann tatsächlich, dass es zwar ein sauberes Behandlungsschema je nach Typ und Größe des Tumors gäbe. Aber kein sauberes Konzept, das individuell z.B. je nach Rezidivwahrscheinlichkeit angewandt wird. Es werden alle Frauen gleich behandelt. Egal, ob sie nur einen Tumor im Millimeterbereich hatten und lediglich brusterhaltend operiert wurden oder ob jemand bereits einen sehr großen Tumor hatte, die Brust daher auch ganz abgenommen werden musste und sogar wie bei mir noch dazu die Lymphe befallen waren.


Leber, Lunge ... oder das Blut werden dabei nicht vorbeugend untersucht. Erst wenn ein Verdacht, durch Schmerzen oder Tastbefund auftritt, dann wird genauer mit Geräten nachgeschaut. Wörtlich heißt es in den Leitlinien: "Eine intensivierte apparative und labortechnische Diagnostik mit Röntgen-Thorax, Knochenszintigrafie, CT, PET oder MRT sowie Blutbildbestimmung, Serum-Biochemie oder Tumormarkerbestimmung gehören zur Metastasendiagnostik, nicht zur Standardnachsorge und sind nur bei klinischen Auffälligkeiten indiziert."


Früher wurde anscheinend auch schon mal mehr untersucht. Für die Frauen war dies aber dadurch anscheinend auch ein erhöhter Stressfaktor. Für die Frauen soll eine frühere Entdeckung eines Rezidives aber keinen großen Vorteil haben. Durch die unzähligen jährlichen Neuerkrankungen steigt natürlich auch die Anzahl an Nachsorgeuntersuchungen. Ich denke, wir hätten momentan nicht einmal genügend Ärzte und Apparaturen, um diese regelmäßigen Nachsorgemaßnahmen bei allen durchzuführen.


Dass dies so ist, zeigt auch die Tatsache, dass ich auf einen Frauenarzttermin in Beilngries tatsächlich über ein halbes Jahr warten musste. Ich hatte mir diesen bereits im Sommer geben lassen. Ich will einfach nicht immer bis ins 40km entfernte Eichstätt fahren. Und da ich dort ja auch eh nicht so zufrieden mit der Betreuung bin, nehme ich diesen Termin nun auch wahr. So kommt es, dass ich bereits am 4. Dezember schon wieder meine nächste Nachsorge habe. Dieses Mal bin ich in Ingolstadt, dem Hauptsitz meiner Beilngrieser Praxis. Dorthin sollte man zumindest zur Erstuntersuchung kommen.


Dritte Nachsorgeuntersuchung in Ingolstadt


Ich bin gespannt, was die Ärztin mir alles erzählen wird. Zunächst stellt sie mir über ein Foto ihre drei Chefs vor. Sie seien sehr zuvorkommend und was Untersuchungen betreffe sehr großzügig. Danach notiert sie sich ein paar Angaben über meine Krankheit. Bei dem Wust an Informationen, den ich ihr versuche zu vermitteln, merkt sie an, dass sie sich im onkologischen Bereich nicht so gut auskenne. Sie könne mir aber rein privat ein paar Tipps geben.


Und was kommt: "Kein Zucker." Selbstbewusst stelle ich sofort klar, dass ich das schon mal probiert habe, dass das aber für mich nicht in Frage komme. Für mich bedeute etwas Süßes Lebensqualität, auf die ich keinesfalls verzichten möchte. Zudem halte ich diese Maßnahme auch nicht für logisch, da doch letztendlich alles zu einer Art Zucker wird, die ins Blut aufgenommen wird. Dazu meint sie, dass die Theorie des Zuckerverzichts auf die Steinzeitmenschen zurückgehe. Die hätten auch kaum Kohlenhydrate zu sich genommen. Leider fiel mir erst draußen ein, dass die ja auch bei weitem nicht so alt wurden wie wir heute. Die waren vermutlich bereits an anderen Krankheiten oder tödlichen Gefahren gestorben, bevor sie überhaupt Krebs bekamen. Aber die junge Ärztin lenkt dann eh gleich beschwichtigend ein: Ich mache das schon alles richtig. Sie habe schon gemerkt, dass ich mir schon sehr viele Gedanken zu den Themen Ernährung, Bewegung und Leben in Balance gemacht habe.


Dann erklärt sie mir noch, dass neben Mammografie und Ultraschall auch noch regelmäßig ein MRT sehr wichtig sei. Nur alle drei Untersuchungen parallel seien eine Garantie dafür, dass nichts übersehen wird. Dazu gibt sie mir dann eine Adresse von einer Praxis in Augsburg, bei der man ein MRT für 250€ machen könne. Zudem empfiehlt sie mir noch eine bestimmte Heilpraktikerin, die zugleich Psychologin und Physiotherapeutin ist. Sie selbst gehe zu dieser Frau und es tue ihr immer sehr gut. Dazu schweigend nehme ich mal die Visitenkarte der Heilpraktikerin entgegen und weiß allerdings schon, dass ich diese nicht verwenden werde.


Ultraschall würde sie sehr gerne von meiner Brust machen, aber das hätte ich vorher anmelden müssen. Zudem sei das Gerät in Beilngries besser. Ich solle doch für dort einen Termin aus machen.


Ein interessanter Auftritt. Man schickt mich von Beilngries zum Erstgespräch nach Ingolstadt mit der Begründung, dass man da mehr Untersuchungen machen könne. Die Ärztin dort wundert sich dann ein bisschen darüber, und meint, ich solle diese doch besser in Beilngries machen lassen.


Gut, dass ich mir eh einen Austag gönnen will, sonst wäre ich vermutlich nicht so amused über dieses Vorgehen. Letztendlich wurde hier ja gar nichts gemacht.



Das Dringliche mit dem Schönen verbinden


Aber jetzt freue ich mich erst einmal riesig darüber, dass mich Elke, meine Zimmernachbarin aus dem Krankenhaus, vor der Praxis abholt. Sie kennt eine total gemütliche Bäckerei mit Cafe. Dort können wir uns dann bei einem Cappuccino und einem Stück süßem Kuchen über unsere Erlebnisse der letzten Wochen austauschen. Da wir beide trotz unserer nicht unerheblichen Krankheitsgeschichten den Humor nicht verloren haben, kommt auch das Lachen nicht zu kurz. Und so trennen wir uns gut gelaunt in der Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen auf dem Weihnachtsmarkt an meinem Arbeitsplatz im Kloster in Plankstetten.


Vom Cafe zur Wohnung meines Sohnes Andreas habe ich zu Fuß nur 3 Minute. Dort habe ich während meiner Bestrahlungszeit immer wieder mal geschlafen und eigentlich nur schöne Erinnerungen daran. Ich genieße es von meinem Jüngsten umsorgt zu werden.


Schließlich fahre ich dann noch zu einer weiteren Bekannten. Christel Schön hatte ich vor mehr als 15 Jahren bei dem Jahreskurs "Kompetent in die Öffentlichkeit" kennengelernt. Sie war damals Geschäftsführerin des katholische Frauenbunds in Eichstätt und hatte diesen sehr professionell konzipierten Kurs kreiert und begleitet. Nach mehreren Jahren, in denen sie in Berlin gearbeitet hatte, kam sie dann irgendwann mal mit zwei ihrer Büchern in den Buchladen. Sie hatte Krebs bekommen und engagiert wie sie ist, gleich Bücher verfasst. Mittlerweile hat sie das 3. Buch aus ihrer Serie Mut-mach-buch geschrieben.



Diese wollte ich nun bei ihr in ihrer Ingolstädter Wohnung für unsere Buchhandlung in Plankstetten abholen. Bei einem gemütlichen Abendessen hatten wir viel Zeit uns über alte Zeiten und natürlich auch über unsere Krankheitsgeschichten auszutauschen. Erst zu später Stunde fuhr ich dann voll glücklich und zufrieden über diesen schönen Tag wieder nach Hause.


Die wieder einmal unbefriedigende Nachsorge war dabei schnell vergessen. Aber ich habe ja noch einen Versuch. Mal schauen, wie das denn nun direkt in der Frauenarztpraxis in Beilngries wird.

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