Grillzeit

Aktualisiert: 23. Aug. 2021

Die Grillsaison ist eröffnet. Und das bereits am 6. Februar. Ok hier handelt es sich weniger um Schweinesteaks oder Bratwürstl. Ich selbst soll mich auf den Grill - alias den Bestrahlungstisch - legen. Nach und nach entwickle ich mich dabei tatsächlich zu einer gebrutzelten Rothaut!


In letzter Minute stürme ich um 19 Uhr in die Strahlenklinik. Ok. Das geht ja schon gut los. Das muss ich in Zukunft besser timen. Pünktlich zu sein war noch nie meine Stärke. Ich plane immer relativ knapp. Und wenn dann noch irgendetwas Unerwartetes dazwischen kommt... Ok, die Brille suchen ist eigentlich nicht unerwartet. Das ist eigentlich immer so, wenn ich das Haus verlasse. Denn im Haus brauche ich das gute Teil nicht und so lege ich diese meist einfach irgendwo hin - und das können auch schon mal etwas kuriosere Plätze sein.


Ich habe es im Laufe der Behandlungszeit aber tatsächlich hinbekommen, ohne Probleme rechtzeitig anzukommen. Bei 28 Fahrten weiß man irgendwann genau: An welcher Ampel muss man um welche Zeit sein, um noch entspannt die Schranke des Klinikum-Parkplatzes passieren zu können. Wenn ich dann Glück habe, ergattere ich noch einen regulären Parkplatz oder ich stelle mich eben für ungefähr 20 Minuten irgendwo an den Parkplatzrand. Denn länger dauert die Bestrahlung in der Regel nicht. Selbst als einmal ein Bestrahlungsgerät kaputt war, konnte ich ohne Nachzahlung den für eine halbe Stunde kostenfreien Parkplatz wieder verlassen.


Meine erste Bestrahlung


„Kommen Sie von zu Hause?", so werde ich zu meinem Erstaunen in Empfang genommen. Diese Frage wird mir übrigens jedes Mal gestellt, so dass ich zum Ende der Bestrahlung hin die Strahlentherapeutin schon gleich mit einem Grinsen entsprechend begrüße: „Grüß Gott. Ich komme von zu Hause." Diese Information wird dabei rein aus verwaltungstechnischen Gründen gebraucht. Die Abrechnung erfolgt anders, wenn man stationär von der Klinik selbst kommt, lasse ich mir sagen.


Nun werde ich in einen Mini-Umkleideraum gebracht. Dort soll ich mich oben freimachen und die Schuhe ausziehen. Dann warte ich, bis mir jemand die Tür Richtung Bestrahlungsraum öffnet.


Auch hier gibt es eine routinemäßige Frage: „Ihr Geburtsdatum?" Dies ist zur Absicherung, dass ich auch die richtige Patientin für die ausschließlich auf mich eingestellten Apparate bin. Und dann wird mir mein Handtuch auf der Liege ausgebreitet und ich kann mich mit nach oben gestreckten Armen darauf zurechtlegen. Ein bisschen ziept das Ganze noch unter der operierten Achsel. Aber von Woche zu Woche wird das Armeheben schmerzfreier. Die Strahlentherapeuten ziehen mich nun noch mit dem Handtuch in die richtige Lage. Anscheinend muss die Position genau eingehalten werden.


Anhand von Lichtern aus dem Gerät werden mir nun Striche auf den Körper gemalt. Diese werden zudem mit durchsichtigen Pflastern überklebt. Das schaut echt lustig aus. Mit diesen darf ich sogar duschen. Ich soll mich anschließend aber nur vorsichtig abtupfen. Denn diese Markierungen sind wichtig, um die Geräte immer exakt einstellen zu können. Dies sieht man auch sehr gut auf dem Foto, das eine Strahlentherapeutin in Absprache mit Professor Dr. Schuck für mich gemacht hat.





Die Schwestern und ein junger Mann mit Pferdeschwanz aus Griechenland (ja, das wollten meine Freundin und ich unbedingt wissen 😉), sind so ziemlich immer die gleichen Leute. Sie sind alle total nett. Das macht echt Spaß mit ihnen. Auch wenn sie sich immer sehr beeilen müssen, mich mit dem Handtuch in die richtige Position zu hieven und ein kleines Kästchen auf meine Brust zu kleben. Sie wollen ja einigermaßen genau den 15 Minuten-Takt für jeden Patienten einhalten. Nur die ersten Male dauert es länger, weil da alles genau eingestellt werden muss. Daher auch die späten Abendtermine am Anfang der Therapie. Ansonst werden einmal pro Woche Kontrollaufnahmen gemacht, ob die Einstellungen noch passen. Zudem gibt es jeden Donnerstag ein kurzes Arztgespräch, bei dem man Fragen stellen könnte.


Atemgesteuerte Bestrahlung


So nun liege ich in der richtigen Position. Ein mir bereits bekannter Monitor wird über mein Gesicht eingestellt. Dieser zeigt meine Atmung an. Dann verlassen alle den Raum.


Über den Lautsprecher ertönt gleich darauf ein: „Bitte einatmen."


Ach herrje, ich hätte mich beim Planungs-CT doch nicht so anstrengen sollen. Da hatte ich ja mein Letztes gegeben und besonders tief eingeatmet. Nach den Aufzeichnungen bei diesem Termin wurden die Einstellungen für die jetzige Bestrahlungen berechnet. Das Ganze läuft nämlich so ab: Man atmet so tief ein, bis sich ein Balken im Monitor von unten in ein Feld in der Mitte begibt. Ist er dort, ändert er seine Farbe. Aber jetzt kann ich so tief einatmen wie ich will, ich bringe diesen blöden Balken nicht in die vorgegebene Zone, so dass die Bestrahlung ausgelöst werden kann. Hui, keine Chance. Und ich soll ja ruhig liegenbleiben und nicht durch ein Hohlkreuz meine Brust höher machen.


Da geht die Tür wieder auf: „Wir müssen bei dem Kästchen auf Ihrer Brust noch etwas unterlegen, damit Sie in den gewünschten Bereich kommen." Dies wird dann auch in den Unterlagen vermerkt und bei jeder Bestrahlung gleich berücksichtigt. Nun ist es für mich machbar. Wenn auch weiterhin etwas anstrengend. So freue ich mich jedesmal, wenn das ersehnte „Weiteratmen" aus dem Lautsprecher ertönt. Eigentlich merkt man mit der Zeit selbst an einem bestimmten Sound, wann die Bestrahlung fertig ist. Aber brav warte ich mit dem Ausatmen immer auf die Stimme des Assistenten. Lediglich einmal hatte ich das Gefühl, jetzt hat er mich vergessen - ich platze gleich. Und in letzter Sekunde ertönte schließlich doch noch seine Stimme: „Weiteratmen". Aber Angst etwas falsch zu machen, braucht man bei dem Ganzen eh nicht haben. Sobald einem der Atem ausgehen sollte, wandert ja der Balken aus dem markierten Bereich heraus und die Bestrahlungsgeräte würden automatisch abschalten.


Aber so wandert das Bestrahlungsgerät nun von rechts nach links um mich herum. Bis es unter meinem Rücken endet. Ich habe mehrmals versucht zu zählen, wie viele einzelne Bestrahlungseinheiten ich denn dabei bekomme. Irgendwann benutzte ich beim Zählen sogar meine Finger, weil ich vor lauter Konzentration auf das Atmen immer wieder die Anzahl vergessen habe. Ich glaube, es waren so 10 Bestrahlungseinheiten, die auf Brustwand und die Lymphabflusswege verteilt wurden.


Schließlich verschwindet am Monitor der Balken und diverse andere Daten erscheinen. Dies ist das Zeichen, dass ich nun fertig bin. Schon kommt auch das Personal wieder herein, befreit mich von dem Kästchen und klappt den Monitor zurück. Jedes Mal weisen Sie mich dann darauf hin, dass ich sitzen bleiben soll, bis die Liege ganz nach unten gefahren ist. Und dann entlassen sie mich mit einem „Auf Wiedersehen, bis morgen" in die kleine Umkleide.


Ich ziehe mich schnell an und schon bin ich wieder unterwegs zum Auto. Ohne Nachzahlung verlasse ich ganz entspannt die Parkpatzschranke der Strahlenklinik.


5 1/2 Wochen geht das nun so. Nicht schlimm. Das ist zu schaffen!



Zufrieden begebe ich mich nach der Bestrahlung wieder zu meinem Auto.







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