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GeburtstagsĂŒberraschung 🎂

Aktualisiert: 15. Feb. 2023

Das Licht in der Sporthalle geht aus. Verwundert blicke ich zur TĂŒr. Ich glaube ich trĂ€ume. Was geht hier denn ab? Völlig verblĂŒfft beobachte ich, wie eine Schar junger MĂ€nner mit einer Torte in der Hand und "Happy Birthday"-singend auf mich zukommen. Ein Wahnsinnsmoment.



Ich bin total ĂŒberwĂ€ltigt. Damit habe ich im Leben nicht gerechnet. Ich habe ĂŒberhaupt nicht mehr daran gedacht, dass ich ja zwei Tage vorher Geburtstag hatte. Ich hatte zwar bemerkt, dass die Jungs ewig vor der Halle standen und komischerweise nicht hoch kamen. Aber in Sachen PĂŒnktlichkeit bin ich mittlerweile sehr gelassen und habe mir wenig dabei gedacht.


Und nun stehe ich da und blicke auf die singenden Jungs. Ein Schwall an GefĂŒhlen bricht ĂŒber mich herein. Keine Ahnung wie ich nun reagieren soll. Auf der einen Seite bin ich so bewegt ĂŒber diese Geste, dass mir die TrĂ€nen kommen könnten. Aber ich merke: Das passt jetzt ĂŒberhaupt nicht zu den strahlenden Gesichter der munteren Gruppe, die sich auf mich zubewegt. So entscheide ich mich intuitiv, mich dieser faszinierenden AtmosphĂ€re anzuschließen und strahle einfach mit.


Mittlerweile sind die Volleyballer bei mir angelangt. Omid hĂ€lt die Torte mit den brennenden Kerzen vor mich hin. Immer noch total ergriffen, finde ich kaum Worte. Muss ich auch nicht. Die Jungs ĂŒberschĂŒtten mich mit wohlwollenden Dankesworten. Ich kann gar nicht alles aufnehmen, mein Gehirn scheint wie blockiert.




Manche Jungs kreisen mit ihren Handys um uns herum, machen Fotos und Videos, die sie mir spĂ€ter als Erinnerung schicken. Ein Gruppenfoto ist natĂŒrlich obligatorisch.





Und dann ein Moment, der zeigt, dass wir ein Team sind: Gemeinsam die Kerzen auspusten!




Und wieder euphorischer Applaus!





NatĂŒrlich darf ich die Torte dann auch noch anschneiden. Auch dieser Moment wird fotografisch festgehalten:




Dazu gibt es sogar noch ein kleines Filmchen:




Allerdings verspeisen wir dieses PrunkstĂŒck dann erst nach dem Spiel gemeinsam. Auch wenn das Sprichwort: "Erst die Arbeit, dann das Spiel" hier nicht so ganz passen will. Aber mit so viel Kuchen im Bauch lĂ€sst es sich einfach nicht mehr so gut springen.


Schließlich verteilt Anna nach dem Spiel die leckeren StĂŒcke der Bananentorte. Diese hat die Frau von Omid gebacken. Sie hat da echt Talent. Wir kamen schon öfters in den Genuss ihrer KochkĂŒnste.




Zu Hause lass ich das Ganze noch nachklingen. Schaue mir die Bilder an, die mir die Jungs nach und nach noch zuschicken.



Akzeptanz als Trainerin


Ich bin sehr glĂŒcklich ĂŒber diese starke Aktion der Jungs. Merke, dass der hohe Einsatz fĂŒr jeden einzelnen in der Gruppe sich vermutlich doch bewĂ€hrt hat. Ich scheine als Trainerin akzeptiert zu sein. Das tut gut. Denn dieser Job ist nĂ€mlich nicht immer nur ein "Zuckerschlecken". Vor allem, wenn es darum geht, wer bei welchem Turnier spielen darf, treten schon auch mal Unstimmigkeiten auf. Da ist manchmal hohe Diplomatie gefragt.



Gegenseitige WertschÀtzung


Über den Sport hinaus, liegt mir jeder auch hinsichtlich seines Bleiberechts sehr am Herzen. Über drei Jahre sind es mittlerweile, die ich mit so manchem durch Höhen und Tiefen gegangen bin. Freundschaften haben sich entwickelt. Gemeinsam im Team haben wir schon so manche Schlacht geschlagen. Die Zusammenarbeit mit den Jungs ist zudem die einzige ehrenamtliche BeschĂ€ftigung, die ich wĂ€hrend der Chemo durchgehend aufrecht erhalten habe. Ich erachte sie momentan auch als die fĂŒr mich sinnvollste und effektivste TĂ€tigkeit. Mit ganz wenig kann man hier viel erreichen. Mein Ziel ist es, die Jungs stark zu machen fĂŒr ein Dasein in Deutschland oder wo auch immer sie spĂ€ter einmal leben werden.


Und jetzt passiert dies gerade in umgekehrter Weise. Die Jungs machen mich stark durch ihre WertschĂ€tzung, die sie mir ĂŒber diese beeindruckende Aktion aktiv zeigen. Und meine Psyche kann dies gerade in dieser schwierigen Zeit besonders gut gebrauchen. Ich muss all die Wohltaten aufsaugen wie ein Schwamm, damit ich mir meine Lebenslust bewahren kann. Ich weiß, es können immer schwere Zeiten kommen. Solch schöne Erlebnisse bauen auf und helfen ĂŒber vielleicht noch kommende Durststrecken hinweg. Sie ermuntern mich weiter zu kĂ€mpfen. Sie zeigen mir: Auch andere schĂ€tzen, dass ich da bin.



Sport als wichtiger Therapiefaktor


Aber nicht nur dieses schöne Ereignis heute ist ganz wichtig fĂŒr mich. Nein, eigentlich hat mir meine Volleyballgruppe "United Beilngries" die ganze Zeit ĂŒber Halt gegeben. Ich hatte eine sinnvolle Aufgabe und profitierte dabei ganz viel davon. Denn ich bekam darĂŒber viel Energie und Lebensfreude. Sport an sich ist ja eine von den drei SĂ€ulen, die empfohlen wird, damit man bei Krebs gesund bzw. nicht mehr krank wird. Beim Sport und gerade in einer Mannschaftssportart, werden sehr viel Endorphine ausgeschĂŒttet. So geht es mir nach jedem Training stimmungsmĂ€ĂŸig auf jeden Fall immer besser als vorher. Ehrlich gesagt, vergesse ich beim Volleyballspielen jegliche körperlichen Schmerzen und auch Sorgen um mich herum.


Deswegen war ich ja auch ĂŒberglĂŒcklich, als ich zum ersten Mal nach meiner fĂŒnf-wöchigen Pause nach der Operation wieder im Feld stehen konnte und merkte: Es funktioniert immer noch trotz Wassereinlagerungen in der Brust und Beschwerden mit der Achsel. Es ist schon erstaunlich, dass mein Körper sogar mit Chemo in der Lage ist, mit so vielen jungen Leuten Volleyball zu spielen. Und das nun auch mit meinen 55 Jahren. DafĂŒr bin ich mehr als dankbar!



Ehrenamt


Dass die Jungs mein Engagement anerkennen, finde ich sehr bemerkenswert. In ihren LĂ€ndern hilft man sich vor allem in den großen Familiennetzwerken aus - ehrenamtliche TĂ€tigkeit, wie es sie bei uns gibt, ist dort nicht unbedingt ĂŒblich. Dies fĂŒhrte vor allem in den AnfĂ€ngen der "FlĂŒchtlingshilfe" manchmal zu einigen MissverstĂ€ndnissen. Vor allem weil die Neuankömmlinge dachten, wir Ehrenamtliche werden fĂŒr diesen Job bezahlt. So legten einige so manche Forderung oder auch Erwartungshaltungen an uns an den Tag.


Aber mittlerweile ist die ehrenamtliche Arbeit mit GeflĂŒchteten eh viel weniger geworden: Vieles regelt mittlerweile der Staat. Und dennoch: Das respektvolle Miteinander muss von Menschen zu Mensch kommen. Dies ist die Basis fĂŒr jede Integration. Und zwar von beiden Seiten. Daher freue ich mich umso mehr, dass ich diese WertschĂ€tzung nun in so hohem Maß zurĂŒckbekomme.



Perlen sammeln


Dieser besondere Volleyballabend wird fĂŒr immer einen besonderen Platz in meinem Herzen bekommen. Dort sammle ich solche aufbauenden Momente, so wie ich die Aufmerksamkeiten und Briefe in meiner Schatzkiste aufbewahre.


In meine Schatzkiste im Esszimmer kommt dann auch die Karte mit den fast schon kĂŒnstlerischen Unterschriften der GeflĂŒchteten. Ihr Wunsch darauf lautet: "Gesundheit, GlĂŒck und Wohlergehen, daran soll's im nĂ€chsten Jahr nicht fehlen!"





Diesen Spruch will ich gerne fĂŒr mich im kommenden Lebensjahr in Anspruch nehmen! Und da "Gesundheit, GlĂŒck und Wohlergehen" ja nicht von alleine kommen, werde ich weiterhin Sport treiben ... und dies am liebsten mit meinen afghanischen Volleyballern!


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