Ein roter Fleck

Aktualisiert: 27. Juli 2020

„Was hast du denn da?", fragt mich mein Mann Georg. „Wo?" „Hinten am Kniegelenk." Ok, jetzt sehe ich es auch. Ein feuerroter Fleck prangt in meiner Kniekehle. Was könnte das sein?





Naja, vielleicht hat mich da etwas gestochen. Wird schon wieder vergehen. Nach drei Tagen ist der Fleck aber immer noch nicht weg. Eher ist er noch größer geworden. So ein Mist. Ich glaube, da muss ich mich langsam drum kümmern. Ich telefoniere mal wieder mit meiner medizinischen Beraterin. Meine Schwester Silvia ist immerhin Arzthelferin. Sie hat dieses Mal aber auch keine Idee, was das sein könnte.


Bevor ich mir jetzt noch länger darüber Gedanken mache, sollte ich es wohl mal in der onkologischen Praxis herzeigen. Vielleicht hat das ja auch etwas mit meiner Chemo zu tun.


„Nein, das ist sehr untypisch als Begleiterscheinung für die Chemo." Mein Onkologe tippt eher auf einen Insektenstich. Er empfiehlt mir Retterspitz-Umschläge zu machen. Das milchige Naturheilmittel soll gegen Entzündungen helfen. Überzeugt bin ich zwar nicht. Aber probieren kann ich es ja mal.


Die Umschläge brennen auf der entzündeten Haut. Mich nervt das langsam. Warum muss ich das jetzt auch noch haben.



Kann das Borreliose sein?


Ich telefoniere mit einer Freundin. Ganz nebenbei erzähle ich ihr von meinem Fleck. Sie meint spontan, es könnte Borreliose sein. Ihr Mann hätte das vor Kurzem ebenso gehabt. Ich hatte eigentlich auch schon die Idee. Eine Zecke hatte ich irgendwann. Ich hatte sie ganz schnell entfernt und dabei gar nicht richtig registriert, wo sich diese eingebohrt hatte. Ich sage ihr noch, dass das Erscheinungsbild doch normalerweise kreisrund sei. Sie meint dazu: Bei ihrem Mann sei es damals auch nicht rund gewesen.


Mit dieser Vermutung bin ich bei der nächsten Blutentnahme wieder beim Onkologen. Dieses Mal ist nur die Ärztin da. Diese ist Allgemeinmedizinerin. Und mit einem Blick auf die rote Stelle diagnostiziert sie sofort Borreliose. Für sie ist das eindeutig. Vor allem in der Kniekehle muss das nicht rund sein, meint sie bestimmt.


Sie verschreibt mir ein Antibiotikum, dass sich mit der Chemo verträgt.


So nehme ich halt noch ein zusätzliches Medikament. Vielleicht schützt mich das Antibiotika ja davor, dass ich während der Chemo noch andere Infektionen parallel bekomme, tröste ich mich. Aber gebraucht hätte ich das ehrlich gesagt momentan nicht auch noch. Denn mein Nervenkostüm wird langsam dünner. Vor allem weil meine Nebenwirkungen immer mehr werden. Keine Ahnung wie ich die weitere Chemo noch überstehen soll. Meine Muskeln schmerzen. Meine Finger und Zehen kribbeln. Das macht mir langsam Angst. Noch mehr als der rote Fleck. Die Borrelien verschwinden dann tatsächlich im Laufe der nächsten drei Wochen wieder und sind dann auch schnell wieder vergessen.


Verantwortungsvoller Umgang mit Zeckenbissen


Wenn alles so einfach zu therapieren wäre. Nach ewig langem Nachdenken fällt mir irgendwann wieder ein, dass ich tatsächlich noch sehr spät im Jahr eine Zecke hatte. Aber ich wusste beim besten Willen nicht mehr, wann genau und vor allem wo. Ich hatte ja schon öfters welche und habe diesen nie viel Beachtung geschenkt. Das nächste Mal werde ich nun davon ein Handyfoto machen. Dann habe ich den Ort und auch das Datum schnell dokumentiert. Mein Mann Georg muss das auch immer machen. Bei ihm als Förster wäre das nämlich ein Dienstunfall. Die sogenannte Wanderröte entsteht oft erst 14 Tage nach dem Einstich und sie muss nicht einmal auftreten. Je älter man wird, umso weniger kann man sich merken, wo denn die Zecke gesessen ist. Oder war das Wissensdefizit wieder nur, weil ich nicht achtsam genug mit mir gewesen bin? Das gefährliche Tierchen nicht ernst genommen habe? Wieder ein Beispiel, bei dem ich lernen muss/kann, besser auf mich aufzupassen.

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