Diagnose Krebs als Chance?

Aktualisiert: 25. Okt. 2019

„Auch wenn es nicht immer so aussieht, so kommt doch der Tag, an dem man wieder lächeln kann. Kopf hoch!“

Dieser Spruch stand auf einer Gute-Besserungskarte von lieben Bekannten.




Immer wieder lese und höre ich von Freunden, dass ich durch die Diagnose Krebs sicher in ein großes Loch gefallen sei. Dass es ganz normal sei, wenn ich jetzt sehr traurig wäre.


Einer Freundin erzählte ich ohne große Vorwarnung von meiner Diagnose. Mir war nicht klar, dass sie das noch gar nicht mitbekommen hatte. Ich wäre da sonst etwas sensibler vorgegangen.


In ihrem Schock über meine Krankheit übergoss sie mich förmlich mit einem Redeschwall: „Sie könne mich ja so gut verstehen, dass es mir jetzt so schlecht ging …“ Ich hatte keine Chance sie zu unterbrechen und musste wirklich dann irgendwann richtig ins Telefon reinschreien: „Stopp! Hallo, mir geht es nicht schlecht!!!!“ Und so war es wirklich.



Doch warum ging es mir eigentlich nicht schlecht?


Ich denke, das hat mehrere Gründe.

Mir ging es im Leben schon sehr oft - sagen wir es mal etwas positiv formuliert - „nicht ganz so gut.“

Das waren meist Zeiten, in denen ich mit dem Leben an sich nicht zurechtkam.

Vor allem in der Pubertät, als ich mich fragte, warum, wozu überhaupt leben.

Nach dem Abitur, als ich keine Ahnung hatte, was ich aus meinem Leben machen sollte.

Und dann nach der Kinderphase, als ich immer noch keine Idee hatte, was ich beruflich machen sollte.

In einem Abschnitt meines Lebens überlegte ich tatsächlich auch schon mal: Ich könnte mir gut vorstellen, Krebs zu haben und damit nicht einmal Probleme zu haben.

Irgendwann aber machte mir dann mein Leben so viel Spaß, dass ich wiederum dachte: „Nein, bitte jetzt nicht!“


Und in letzter Zeit war mir so einiges über den Kopf gewachsen. So Vieles machte mir eigentlich Spaß, aber wegen dem „zu viel“ dann eben auch keinen mehr. Ich hatte zu viele Ehrenämter, von denen ich mich nicht trennen wollte oder konnte. Auch in der Arbeit fühlte ich mich belastet. Die Suche nach einer Stellvertreterin zog sich aus mehreren Gründen schon über zwei Jahre hin.

Und dann kam total unerwartet von heute auf morgen die Diagnose Krebs. Das bescherte mir sozusagen die Möglichkeit, diese anstrengenden Pfade zu verlassen.


Von Natur aus bin ich ein sehr neugieriger Mensch. Alles, was ich über einen längeren Zeitraum mache und Routine wird, langweilt mich zutiefst.

Krebs als willkommene Abwechslung?

Das ist jetzt vielleicht zu weit gegriffen, aber es ist sicherlich ein Stück Wahrheit darin.



Krebs als meine Chance für Veränderung


Auf jeden Fall sehe ich diese Auszeit als Chance, etwas zu verändern: Das, was bisher nicht so gut gelaufen ist.

Ich bekomme Zeit geschenkt, die ich mir als pflichtbewusster Bürger so nie genommen hätte.

Ich möchte diese Zeit nutzen, über mein Leben und das Leben an sich noch intensiver nachzudenken.

Was macht Leben eigentlich aus. So viele Menschen, so viele Lebenskonzepte.

Gibt es ein paar Schlüssel, die helfen, Leben zu begreifen?

Vielen dieser Fragen möchte ich auf den Grund gehen auf meiner Reise mit der Diagnose Krebs während dieses Jahres.

Ich möchte nach diesem Jahr klüger sein. Mein eigenes Leben qualitativ besser gestalten.

Herausbekommen, was ich eigentlich will. Wie ich mein letztes Lebensdrittel gestalten möchte. Damit ich ganz am Ende meines Lebens - egal wann das sein wird - sagen kann:

„Vieles, oder zumindest der Großteil, war für mich lebenswert.“


So freue ich mich nun tatsächlich über dieses kommende Jahr und bin gespannt darauf, was es alles bringt!






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