Autsch!? Mein Umgang mit Schmerzen

Als Kind muss ich eine recht Wilde gewesen sein.

Barfuß rannte ich tagein tagaus über Stock und Stein.

Immer wieder verletzte ich dabei meine große Zehe, so dass sie blutete. Ich rannte dann allerdings nicht - wie vielleicht normal - heim zu Mama. Nein, ich blieb lediglich kurz stehen, schaute nach unten und meinte: „Scheiß Zaicha, bluatst scho wieder.“ Und setzte mein Spiel fort.



Der Baum noch mit echtem Lametta wurde weiß eingestäubt.
Weihnachten 1964 mit meiner Schwester Silvia und meinem Cousin Werni. Der Christbaum, noch mit echtem Lametta, wurde damals weiß eingestäubt.

Auf dem Foto sieht man mich auf einem Schaukelpferd - mit einer Halterung rundherum. Eigentlich sicher. Nach den Erzählungen meiner Eltern mussten sie bei mir sicherheitshalber beim Schaukeln dennoch dabei bleiben. Ständig schaukelte ich so wild, dass ich auf den Kufenspitzen stand. Und es konnte dann schon vorkommen, dass ich mich dabei auch mal überschlug.




... und immer barfuß unterwegs


Kamillentee-Wickel waren an der Tagesordnung. Ständig war mein Fuß dick, weil ich aus Versehen beim Barfußlaufen über die Wiese in eine Biene getreten bin. Deren Gift juckte dann oft schrecklich.


Zudem zogen mich die Mistgabeln in den Gängen der Kuh- und Schweineställe bei meinen vielen Onkeln und Tanten förmlich an. Auch dort war ich meist barfuß unterwegs und stieg mehrmals in die rostigen Zinken der herumliegenden Heugabeln. Ich liebte es nämlich, bei den Tieren zu sein. Zwischen kleinen Ferkeln und bei Kälbchen fühlte ich mich wohl 😊. Die Bauernhäuser, meistens noch uralte Jurahäuser, suchte ich damals nur auf, wenn ich Hunger bekam.


Auch Rechenzinken rammten sich in meinen Fuß. Einmal sprang ich ungestüm von ein paar Treppenstufen herunter direkt in einen Rechen hinein. Hätte dabei jemand gefilmt, wäre das etwas für Pleiten, Pech und Pannen geworden. Denn der Stil donnerte dabei volle Kanne gegen meinen Kopf und hat mich schier umgehauen.


Manchmal war es auch ganz schön gefährlich


Beim Dachdecken fiel ich sogar einmal ein Stockwerk tiefer. Ich blieb dann bewusstlos unterhalb der Zugtreppe liegen. Als ich wieder zu mir kam, vernahm ich die Stimme einer Ärztin. Sie wollte unbedingt mein Bonbon haben, das ich noch im Mund hatte. Ich habe lange mit mir gerungen und es ihr schließlich überlassen. Nach einer Nacht zur Beobachtung im Krankenhaus durfte ich dann aber schnell wieder nach Hause.


1. Preis beim Geräteturnenwettkampf mit 13 Jahren

Bereits mit 5 Jahren fing ich mit Geräteturnen im Verein an. Da lernt man dann auch: Schmerzen sollte man aushalten können. So kann ich mich noch gut daran erinnern, dass ich einmal bei einem Sprung über den Kasten total brutal stürzte. Ich sah damals zum ersten Mal in meinem Leben Sternchen. Was war das denn jetzt? Die funkelnden Lichtblitzchen um mich herum wollten gar nicht mehr aufhören und machten mir so richtig Angst. Die Schmerzen selbst waren eher Nebensache.


Körperliche Schmerzen sind nicht so wichtig für mich. Seit ich 16 Jahre alt bin habe ich nach jeder intensiveren Belastung Schmerzen im Sprunggelenk. Ich glaube, das kam von einer Verletzung beim Skifahren. Zumindest war ich dabei ein paar Mal gestürzt und hatte einen dicken Knöchel. Zum Arzt ging ich deswegen nicht. Was sicher nicht vernünftig war.


Interessanterweise gehe ich auch heute noch sehr gelassen mit körperlichem Befinden um.

Werde ich krank - sei es durch Erkältung oder durch eine Verletzung - versuche ich trotzdem meiner normalen Tätigkeit soweit es geht nachzugehen. Das lenkt mich auch ganz gut von meinen Wehwehchen ab.


Ich habe meine Einstellung "Schmerzen eher zu ignorieren" vermutlich von meiner Mama übernommen oder auch vererbt bekommen. So genau weiß man das ja nie.

Noch nie habe ich sie über körperliche Leiden sprechen oder gar jammern gehört. Sobald ich sie frage, "wie geht es dir", sagt sie immer „gut". Mit 86 Jahren wohlgemerkt ist sie draußen bei Eis gestürzt und hat danach ganz normal weitergearbeitet. Erst nach Wochen, als die Schmerzen gar nicht nachgelassen haben, ging sie mal auf gut Zureden zum Arzt. Dort wurde dann eine Wirbelfraktur festgestellt. Aber da wollte sie nachträglich dann auch nicht mehr viel machen lassen. Schließlich war es jetzt so lange bereits "gut" gegangen.


Seelische Schmerzen


Seelische Schmerzen dagegen können mein empfindsames Wesen total aus der Bahn werfen. Beinahe nichts kann mich gedanklich davon ablenken. Vor allem wenn ich jemanden bewusst oder auch unbewusst verletzt habe, bin ich schier untröstlich. Langsam lerne ich auch damit besser umzugehen. Mir selbst meine Schwächen zu verzeihen. Gnädiger mit mir und auch anderen zu sein. Dies funktioniert bei mir aber noch nicht so automatisch. Es ist eher ein unendliches Lernfeld für mich.


Bevorstehende Operation


Nun kommt bald die Brust-Entfernung auf mich zu. Ich weiß das schon seit Beginn der Diagnose. Ich habe dieses Thema erst einmal ein bisschen ruhen lassen, mich in den letzten Wochen aber vermehrt damit befasst. Angst davor habe ich nicht. Gegen Schmerzen kann man in der Regel ja immer etwas nehmen. Zudem habe ich ein gewisses Vertrauen in die Ärzte und ihre medizinischen Standards.


Mein Verstand sagt mir auch, dass Angst mich nicht weiterbringt. Ich darf hoffnungsvoll, aber natürlich auch realistisch in diese Operation gehen. Ich male mir nicht zuviel aus. Ich versuche über das Ergebnis im Vorfeld emotional ruhig zu bleiben - um kein Wechselbad der Gefühle zu haben. Ich nehme mir vor, Dinge zu akzeptieren, die ich nicht ändern kann. Diese Haltung hat mir im Leben schon sehr oft geholfen. So hoffe ich, dass auch dieser Krankenhausaufenthalt für mich ein positives Erlebnis wird.

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