Auf geht's ins Krankenhaus

Aktualisiert: 19. Dez. 2019


Das Köfferchen ist gepackt. Das Haus einigermaßen aufgeräumt. Nun kann's losgehen. Georg fährt mich ins Klinikum nach Ingolstadt. Morgen, 18. Dezember 2018, werde ich endlich operiert.


Ich freue mich jetzt auf diese Zeit. Ich bin gerne im Krankenhaus. Versteht wohl kein Mensch. Muss auch nicht sein. Dort habe ich hoffentlich ein bisschen Ruhe. Zudem muss ich nichts arbeiten und bekomme mein Essen serviert.


Die Wochen vor dem Aufenthalt in der Klinik


Es war noch so viel los in den letzten Wochen. Einiges wollte ich einfach noch über die Bühne bringen. Denn ich wusste, dass ich nach der Operation erst einmal für längere Zeit ausfalle. So war ich noch auf einer Schulung "Integration durch Sport" in Erlangen. Dann besuchte ich zusammen mit meiner Schwester noch einmal Anna in Bremen für ein paar Tage.


Ein Weihnachtsmarkt mit Schiffen, Zelten und Piraten. Typisch für eine Stadt nahe am Meer!

Ja und dann waren noch einige andere schöne Anlässe zu feiern. Im November das Herbstkonzert des symphonischen Blasorchesters, bei dem ich fotografieren durfte. Die Hochzeit von unserem Sohn und unserer Schwiegertochter. Genau eine Woche später die Diamantene Hochzeit meiner Eltern. Verschiedene Weihnachtsfeiern. Auf der vom Kloster wurde ich sogar für 15 Jahre Betriebszugehörigkeit geehrt.


15 Jahre Klosterbuchhandlung Plankstetten. Frater Andreas, Abt Beda und Frater Bonifatius gratulieren.


An den Adventswochenenden waren auch Einsätze auf der Christbaumkultur angesagt. Dort schenken wir immer Glühwein beim Christbaumverkauf aus. Mir macht das Spaß, im Bauwagen auf einem kleinen Holzherd die Getränke heiß zu machen und sie dann mit ein paar Plätzchen den Besuchern anzubieten. Georg und meine Söhne sind den Kunden beim Aussuchen und einnetzen der Bäume behilflich.


Christbaumkultur mit verschiedenen Baumarten

Und glücklicherweise habe ich bereits alle Weihnachtseinkäufe erledigt. Schließlich komme ich vor dem Heiligen Abend nicht mehr nach Hause. Normalerweise bin ich damit immer sehr spät dran. Zumal der Dezember der arbeitsintensivste Monat in der Buchhandlung ist. Dieses mal war es seit langem wieder eine ruhigere Adventszeit. Das hat schon was.


Wichtig war mir vor allem, noch einmal ein Volleyballspiel mit einer anderen Mannschaft zu organisieren. So kamen am Samstag vor meinem Krankenhausaufenthalt, die Irfersdorfer Volleyballer zu uns. Dieses Mal handhabte ich das Ganze total locker. Jeder durfte mitspielen, der einigermaßen spielen konnte.


Für mich war es eine Art Abschiedsspiel. Der Professor meinte, acht Wochen müsse ich auf jeden Fall nach der OP auf Volleyball verzichten. Ich habe mich vorsichtshalber mal auf ein viertel Jahr eingestellt. Die Jungs trainieren wollte ich allerdings schon während meiner Auszeit. Bei diesem Spiel habe ich chemobedingt körperlich null Probleme - dennoch kommt mir schon auch der Gedanke: Werde ich wirklich nachher noch so gut spielen können? Kann bei der OP irgendetwas Negatives passieren? Ein etwas mulmiges Gefühl ist schon dabei. Nach außen zeige ich das natürlich nicht. Am Ende will ich allerdings auf jeden Fall noch ein gemeinsames Foto machen. Die Erinnerung an dieses "Abschiedsspiel" festhalten.


Ein letztes Spiel vor meiner Operation gegen die Mannschaft aus Irfersdorf.

Zum Schluss habe ich am Sonntagmorgen noch einen schönen Ausklang bei einem Geburtstagsbrunch zweier Freundinnen. Dieses klasse Essen im Kreis meiner besten Freunde aus unserem Dorf kann ich noch einmal voll genießen.


Krankenhausalltag


Aber nun bin ich froh, dass ich in meinem Zimmer im Klinikum angekommen bin. Bewaffnet mit Handy, Laptop und vielen Weihnachtskarten freue ich mich auf Ruhe und Zeit zum Schreiben. Seit Jahren war das vor Weihnachten zeitlich einfach nicht machbar. Aber dieses Jahr sollen einige meiner Freunde statt der virtuellen Post eine echte Karte oder sogar einen Brief von mir zu Weihnachten in den Händen halten.


Zunächst muss ich allerdings noch einmal losziehen, um den Wächterlymphknoten markieren zu lassen. Eine Hebammenschülerin zeigt mir den Weg dorthin. Ok, da war ich ja schon öfters. Hier in der nuklearmedizinischen Abteilung im Keller bekam ich bereits mein Knochenszintigramm. Nun wird mir hier eine radioaktive Substanz gespritzt. Nach dem Essen soll ich wiederkommen. Bis dahin sollte die Substanz im Wächterlymphknoten eingelagert sein. Dann können die Ärzte diese Stelle mit einem Gerät finden und sie auf der Haut mit einem wasserfesten Stift markieren.


Essen serviert zu bekommen, ist ein totaler Luxus für mich. Und die Mahlzeiten im Klinikum sind immer sehr gut. Man kann sich aus drei Essen eines aussuchen. Auch das Frühstück und das Abendessen. Mir schmeckt's.



Ein Schreck im Aufzug


Nach dem Mittagessen mache ich mich mit meinen medizinischen Unterlagen dieses Mal alleine auf den Weg. Gleich zwei Wächterlymphknoten wurden gefunden. Diese sollen bei der OP entfernt und auf böse Zellen untersucht werden. Während ich im Aufzug fahre, lese ich den Untersuchungsbericht in meiner Akte. Dabei lese ich: „Bereits auf der Sequenzszintigraphie zeigt sich eine intensive fokale Speicherung im Bereich der li. Axila i.S. eines solitären Sentinel Lymphknoten." Mir bleibt dabei fast das Herz stehen. Ich bekomme einen Schweißausbruch. Hat der Arzt bereits böse Zellen im Lymphknoten entdeckt? Gesagt hat er nichts. Ich lese noch einmal genauer rein. Leider verstehe ich nicht alles. Aber ich gehe davon aus, dass sich das alles nur auf den Fund des Lymphknoten bezieht. Sonst ist wohl nichts, das hätte der Arzt doch wohl gesagt. An meiner Reaktion merke ich allerdings, dass ich doch schon ganz nervös bin: Ob ich nach der langen Zeit frei von Metastasen geblieben bin? Immerhin hat die Chemo ja nicht so angeschlagen. Ich kann kein klares Gefühl entwickeln, wie ich die Lage einschätzen soll. Ich lass das jetzt alles erstmal so stehen, ändern kann ich momentan eh nichts daran. Morgen werde ich mehr wissen.


Zu zweit im Zimmer ist gut für mich


Zurück im Zimmer treffe ich auf meine neue Zimmernachbarin Elke. Gerade in dieser ungewissen Situation bin ich ganz froh, dass ich jemanden zum Quatschen habe. Elke ist ein sehr fröhlicher und aufgeschlossener Mensch. Auch sie hat Brustkrebs. Allerdings wurde dieser bei ihr im Zuge der Vorsorge-Mammographie bereits im Millimeterbereich entdeckt. Sie bekommt den kleinen Tumor allerdings "nur" herausgeschnitten. Später wird diese Stelle noch bestrahlt. Sie braucht auf jeden Fall keine Chemo. Dies ist ein sehr gutes Beispiel dafür, dass eine regelmäßige Vorsorge doch Sinn macht. Je früher ein Tumor entdeckt wird umso unkomplizierter ist die Behandlungsweise und natürlich auch die Überlebenschance.


Elke ist ebenso wie ich recht zuversichtlich und entspannt. Wir reden ganz offen über alles, was uns so in den Sinn kommt. Lachen viel gemeinsam. Eine ideale Ablenkung. Denn so ganz ohne Anspannung ist es im Krankenhaus vor einem solchen Eingriff nun doch nicht!


Aber nachts schlafe ich dennoch recht gut. Morgen ist endlich die ersehnte Operation.

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